Was will ein Weltstar, wenn er nach umjubelten Tourneen rund um den Globus in seine Heimat zurückkehrt - zumal, wenn es sich um das kleine Island handelt?
In "Der letzte Takt" ist die Sache klar: Ein gefeierter Cellist will seinen Mitmusikerinnen an die Wäsche. Aus dieser #MeToo-Prämisse macht Regisseur Sigurjón Kjartansson eine schwarze Komödie, die gut funktioniert - aber Verständnis für die Nuancen klassischer Musik vermissen lässt.
(Kinostart: 12.6.) Der Weltstar als Grabscher:
Die Rückkehr eines gefeierten Cello-Virtuosen in seine isländische Heimat entwickelt sich in Sigurjón Kjartanssons Film zur schwarzen Komödie voller Slapstick und Seitenhieben auf den Kulturbetrieb – ohne Längen, aber auch ohne Tiefe.
„Uppselt“, ausverkauft! Aufgeregt und voller Stolz klebt Sigrídur Zoëga (Helga Bragan Jónsdóttir) den Hinweis auf die Plakate vor dem Konzerthaus Gamla Bíó in Reykjavík.
Schon lange hat die engagierte Violinistin mit ihrem kleinen Kammerorchester vor keinem vollen Saal mehr gespielt. Im Gegenteil.
Das isländische Sextett steht bereits seit einiger Zeit aufgrund seines eingestaubten Repertoires in der Kritik.
Erst blieb das Publikum aus, demnächst werden die öffentlichen Fördergelder gestrichen.
Aber Sigrídur, die das Ensemble mit viel Leidenschaft leitet, will nicht aufgeben – und Not macht bekanntlich erfinderisch.
Als ihre Hoffnung, den gefeierten Star-Cellisten Klemens Daníelsson (Hilmir Snær Guðnason) für das Ensemble zu gewinnen, wider
Erwarten in Erfüllung geht, kann sie ihr Glück kaum fassen. Nun steht der große gemeinsame Auftritt bevor.
Rückkehr des Weltstars in die Heimat
Nicht nur Sigrídur ist überrascht; die ganze Branche stellt sich die Frage, was den attraktiven Weltstar dazu bewogen hat, dem relativ unbedeutenden Ensemble beizutreten.
Zwar begründet Daníelsson seine Entscheidung öffentlich damit, nach Jahren des internationalen Erfolgs wieder in seine Heimat zurückkehren zu wollen.
Doch kaum laufen die Proben für das Sonderkonzert, lassen sich erste Brüche in der aalglatten Fassade erkennen.
Kein typisches #MeToo-Drama
Der berühmte Virtuose entpuppt sich hinter den Kulissen als übergriffiger Macho. Alle drei Frauen belästigt er gleichzeitig; den Männern gegenüber gibt er sich überlegen und arrogant.
Daníelsson weiß seine überlegene Position für sich zu nutzen. Aus Angst vor dem Verlust ihrer Arbeitsplätze machen alle Ensemblemitglieder gute Miene zum bösen Spiel.


Klemens (Hilmir Snær Guðnason) präsentiert sich beim Video-Call mit Sigríður in seiner ganzen Freizügigkeit.. Fotoquelle: © kinofreund eG 2025
Steinunn (Ilmur Kristjánsdóttir) ist skeptisch gegenüber dem berühmten Neuzugang im Ensemble. Fotoquelle: © kinofreund eG 2025
Sigríður (Helga Braga Jónsdóttir) und ihre Kammerorchester-Kolleg:innen finden den außer Gefecht gesetzten Klemens hinter der Bühne. Fotoquelle: © kinofreund eG 2025



