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Die marokkanische Bar-Sängerin

Singen und tanzen, bis es Geldscheine regnet, in Alle lieben Touda, oder doch nicht?

Fest mit beiden Beinen auf dem Boden steht die Titelheldin von "Alle lieben Touda". Das muss sie auch, denn eigentlich liebt niemand Touda:

Die marokkanische Bar-Sängerin und -Tänzerin ist auf sich allein gestellt. Trotzdem greift sie nach den Sternen:

Regisseur Nabil Ayouch schildert mitreißend, wie die furiose Nisrin Erradi in der Hauptrolle sich in einem Macho-System zu behaupten versucht.

(Kinostart: 29.5.) Singen und tanzen, bis es Geldscheine regnet: Nachtclub-Sängerinnen in Marokko agieren mit vollem Körpereinsatz.

Ihr prekäres Dasein am Rande der Macho-Gesellschaft beleuchtet Regisseur Nabil Ayouch mit Drastik und Empathie – und einer furiosen Hauptdarstellerin.

Als Filmtitel könnte “Alle lieben Touda” kontrafaktischer kaum sein:

Die meisten Szenen scheinen ihm Hohn zu sprechen. Und wenn seine Bedeutung kurz vor Schluss enthüllt wird, durch die beiläufige Bemerkung eines Conférenciers, wirkt das ziemlich zynisch.

Denn eigentlich liebt fast niemand Touda

Die geschiedene, allein erziehende Mutter lebt in einem Provinznest im kargen Landesinneren von Marokko.

Mit ihrem kleinen taubstummen Sohn Yassine wohnt sie in einem Zimmer zur Untermiete bei Rkia (Jalila Tlemsi), einer liebenswürdigen, aber verzagten Frau.

Ihren Lebensunterhalt verdient Touda als Sheika (Pl.: Sheikats):

Sie tritt in schummrigen Lokalen auf, singt populäre Schlager und animiert mit laszivem Tanzen die anwesenden Männer, möglichst viele Drinks zu bestellen.

Nicht selten wollen die Gäste mehr.

Statt Liedpoesie anzügliches Tralala

Traditionell intonieren Sheikats die so genannte Aïta, offenbar eine Liedpoesie irgendwo zwischen Moritaten und Chansons.

In solchen Gesängen werden ebenso öffentliche Ereignisse kommentiert wie auch Privates beschworen, etwa Liebe und Begehren.

Doch diese Kunstform lässt sich schlecht versilbern; viele Sheikats sind genötigt, anzügliches Tralala in anrüchigen Nachtclubs vorzutragen, um mehr Trinkgelder zu kassieren.

Worunter ihr Ruf gelitten hat, was sie in die Nähe von Prostituierten rückte – ähnlich wie etwa bei Bauchtänzerinnen in Ägypten und Arabien.

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ALLE LIEBEN TOUDA (Everybody loves Touda) Trailer OmU