Grimms Märchen einmal anders herum: Alle Welt kennt Aschenputtel als schöne Unschuld, die sich ihrer bösen Stiefschwestern erwehren muss.
Die norwegische Regisseurin Emilie Blichfeldt dreht das um: Im Mittelpunkt von "The Ugly Stepsister" steht selbige, die mit allerlei Selbstkasteiung in der Schönheits-Konkurrenz siegen will - was nicht ohne hässlichen Body-Horror zu haben ist.
(Kinostart: 5.6.) Wer schön sein will, muss leiden: Die norwegische Regisseurin Emilie Blichfeld bürstet das Aschenputtel-Märchen gegen den Strich fürs gehobene Genre-Kino.
Doch ihre Adaption gerät zur wenig subtilen Stilübung zwischen Body-Horror, Barockkunst und Retro-Soundtrack mit einigen Längen.
Der Prinz (Isac Calmroth) legt an, schießt und trifft: Wie Amors Pfeil findet seine Poesie ihren Weg direkt ins Herz von Elvira (Lea Myren).
Mit einer rosarot eingefärbten Traumsequenz eröffnet Emilie Blichfeld ihr Spielfilmdebüt und bereitet damit plastisch vor, worum es darin geht:
Dichtung, Schönheit und romantisches Sehnen sind in einer auf Konkurrenz gegründeten Welt vor allem Einsätze im Kampf um Liebes- und Lebenschancen.
Im feudalen Ambiente des Königreichs Swedlandia wird in dieser Adaption des Märchens „Aschenputtel“ alles dem Erreichen der jeweils gesteckten Ziele untergeordnet.
Junge, dauernotgeile Männer wie der Prinz sind allzeit auf der Jagd nach (Jung-)Frauenkörpern, die für ihre sexuellen Bedürfnisse optimiert sind.
Demgegenüber streben höhere Töchter vor allem nach Absicherung für sich und ihre Familien.
Schmerzhafte Schönheitsideale
Ihre herrschsüchtigen Mütter wachen mit Argusaugen darüber, dass sich in ihre Bemühungen keine Nachlässigkeiten einschleichen.
Schließlich sollen sich die Mittel, die sie für Kleider, Perücken, Training und frühe plastische Chirurgie aufwenden, refinanzieren, indem sie ihnen ein angenehmes Leben am Hof ermöglichen.
So müssen ihre Mädchen nicht nur gängige Schönheitsideale übernehmen, sondern auch bereit sein, für die ihnen gemäße Zurichtung einiges an Schmerzen zu ertragen – und im Idealfall bei der Selbstoptimierung von sich aus noch manchen Schritt weitergehen.
Kunst+Film-Redaktion


Rebekka (Ane Dahl Torp) legt ihrer Tochter Elvira (Lea Myren) eine Maske zur Stabilisierung der heilenden Nase an. Foto: capelight pictures
Elvira (Lea Myren) steht im Schatten ihrer schönen Stiefschwester. Foto: capelight pictures
Elvira (Lea Myren, mi.) wird die Nase gemacht, womit das Leiden beginnt. Foto: capelight pictures



