Die McMillan Memorial Bibliothek verstärkt das Gefühl, außerhalb von Zeit und Ort zu sein: Ein Paar steinerner Löwen bewacht eine Reihe von Marmorstufen, die zu sechs Granitsäulen und einer übergroßen Holztür führen.
Die Bibliothek wurde 1931 erbaut, als Nairobi, heute eine pulsierende Stadt mit anspruchslosen Wolkenkratzern und schätzungsweise fünf Millionen Einwohnern, gerade einmal ein paar Jahrzehnte alt war und von den Briten als Nachbildung von London gestaltet wurde, allerdings bei besserem Wetter.
Ein paar hundert fleckige, von Bäumen gesäumte Grundstücke im Südosten, am anderen Ende der Wabera Street, befindet sich der Oberste Gerichtshof von Kenia, ebenfalls 1931 erbaut und in einem ähnlich großartigen neoklassizistischen Stil.
Zusammen waren diese Gebäude die Punkte eines kolonialen Kompasses der Stadt: Bibliothek und Gericht, Bildung und Recht. So erklärt die Vergangenheit auch die Vernachlässigung dieses Ortes.
"Wir haben die Bibliothek von den weißen Siedlern geerbt, sie war eingangs nicht für uns gedacht," sagt Ananda (75), der McMillan seit 1962, seit die Bibliothek auch für Kenianer zugänglich wurde, besucht.
Das Gebäude ist im neoklassizistischen Stil gehalten und verfügt über mit Granit verkleidete Säulen entlang der Fassade und eine große trapezförmige Treppe aus weißem Marmor, die zum Portikus führt.
Zwei Löwenstatuen bewachen beide Seiten des Eingangs. Die Statuen wurden von Sir John und Lady Harrington, Cousins von McMillan, gespendet.
Die Außenwände wurden aus glatt verputztem Stein unter einem Flachdach errichtet und die Innenwände sind mit polierten Holzplatten verkleidet.
Die Fenster sind mit hohen Stahlflügeln verglast, die für reichlich natürliches Licht sorgen, und die Türen bestehen aus schweren Hartholzplatten, die in Holzrahmen aufgehängt sind und an den Stürzen mit Giebeln versehen sind.
Die Böden sind in den Hauptbereichen mit Parkett und im Eingangsbereich mit Terrazzo ausgelegt
Über 400.000 Bücher gehören zum Archiv, es gibt weder Computer noch WLAN, wer etwas sucht, muss ordentlich stöbern.
Das soll sich jetzt ändern, eine Modernisierung dieses wunderbaren Gebäudes hat bereits begonnen. Zur Freude auch von Ananda, der seit Jahrzehnten fast schon mit zum Inventar gehört und hier immer wieder Zuflucht vor der nasskalten Jahreszeit in Nairobi sucht und hier Gelehrsamkeit und Feierlichkeit findet.
Abwechslung auch, vor der hektischen Moderne der Metropole.
Mehr Informationen zu dieser einzigartigen Bücherei: https://www.nrblibraries-archive.org/
Sönke C. Weiss


Seit 1962 besucht Ananda die McMillan Memorial Bibliothek. Foto: Sönke C. Weiss



