Gesellschaft Freunde der Künste
Der Kunstmarkt ist ab und zu eine ART Schlachtfeld

Kunst und Ebenen - Über die Sensibilität in einem Markt, der den Kampf verlangt

Wer sich als Künstler oder Künstlerin auf ihn begibt, betritt ein Terrain, auf dem Sichtbarkeit zur Währung wird, 

Beziehungen Türen öffnen und die Fähigkeit zur Selbstvermarktung mitunter mehr Aufmerksamkeit erhält als das Werk selbst.

Doch was geschieht mit Menschen, die Kunst und Fotografie nicht nur ausüben, sondern sensibel leben?

Menschen, die beobachten, bevor sie urteilen. Die wahrnehmen, was andere übersehen. Die sich Zeit nehmen für einen Augenblick, einen Ort, eine Spur, eine Veränderung. Menschen, deren Arbeit aus einer inneren 

Notwendigkeit entsteht und nicht allein aus dem Wunsch, auf dem Markt zu bestehen.

Hier beginnt ein Widerspruch.

Denn die Sensibilität, die ein künstlerisches Werk überhaupt erst möglich macht, kann im Wettbewerb zur Verletzlichkeit werden. 

Während der Markt nach Eindeutigkeit, Wiedererkennbarkeit und Verwertbarkeit verlangt, bewegt sich die Kunst häufig in offenen Räumen. 

Sie stellt Fragen, statt Antworten zu liefern. Sie macht sichtbar, was sich nicht unmittelbar in Zahlen, Kategorin oder Preise übersetzen lässt.

Vielleicht entstehen genau hier jene unterschiedlichen Ebenen, die sich nicht ohne Weiteres miteinander verein-baren lassen.

Die Ebene des Marktes verlangt Positionierung. Die Ebene der Kunst verlangt Wahrnehmung. 

Die eine fordert Präsenz, die andere manchmal Rückzug. 

Die eine misst Aufmerksamkeit, die andere sucht nach dem, was sich der Aufmerksamkeit entzieht. Schubladendenken versperrt manchen Galeristen und Kuratorinnen  den Blick für Wahrhaftigkeit ?

Denn Kunst ist sicher nicht, an einer einzigen Sache ein Leben lang zu arbeiten, um das den Marktwert für sich selbst zu puschen.

Kunst ist es eben nicht den Markt an sich zu bearbeiten, sondern das Leben aufzusaugen und der Welt vielleicht etwas zu zeigen, was sonst unsichtbar wäre. 

Wenn diese Ebenen von Markt und Sensibilität des diversen Lebens mit und in einem Künstler aufeinanderprallen, kann ein Unbehagen entstehen, das tiefer reicht als die Enttäuschung über eine  villeicht ausbleibende Ausstellung oder eine nicht beantwortete Bewerbung. 

Es könnte das Gefühl entstehen, sich selbst verändern zu müssen, um in einem System bestehen zu können, 

dessen Regeln nicht unbedingt mit der eigenen künstlerischen Haltung übereinstimmen.

Was geschieht, wenn Künstlerinnen und Künstler lernen müssen, sich wie Kämpfende zu verhalten, 

obwohl ihreigentliche Stärke gerade darin liegt, empfindsam zu bleiben?

Das ist keine Frage gegen den Kunstmarkt. Kunst braucht Öffentlichkeit, Austausch, Vermittlung und auch wirtschaftliche Strukturen. 

Aber sie braucht ebenso Räume, in denen nicht jede Arbeit sofort ihren Marktwert 

beweisen muss.

Vielleicht besteht die Herausforderung darin, diese Ebenen zu erkennen, ohne die eine der anderen vollständig unterzuordnen. 

Denn Kunst ist nicht nur das, was am Ende an einer Wand hängt, in einem Katalog erscheint oder verkauft wid.

Sie beginnt viel früher: in einer besonderen Art, die Welt wahrzunehmen.

Kunst sollte Energie sein auf eine universellen Ebene, die dazu dienen kann, Menschen in der Seele zu berühren. 

Und vielleicht ist es gerade diese Fähigkeit, die wir im Kampf um Sichtbarkeit nicht verlieren dürfen.

Ich meine damit möglicherweise ein inneres Unwohlsein: ein Gefühl, das entsteht, wenn die eigene sensible, authentische Arbeitsweise mit den künstlichen oder strategischen Anforderungen des Marktes kollidieren könnte. Was macht das mit einem Künstler, einer Künstlerin ? 

Macht der  Kunstmarkt u.a.  aus der natürlichen Sensibilität der Kunstschaffenden etwas Künstliches ? 

Eva-Maria Horstick 2026