Gesellschaft Freunde der Künste
der Schwanz des Mannes

Freiheit und gesellschaftliche Moralverstellung

Der Roman „Pandatage“ von James Gould-Bourn, der diese Geschichte in einem Kursus für kreatives Schreiben entwickelt hat, was man beim Lesen leider auch spürt ist bei Kiepenheuer & Witsch (www.kiwi-verlag.de) erschienen.

Zu witzig, zu übertrieben, zu dramatisch und von daher zu konstruiert erscheinen die Personen in diesem 384 Seiten langen Buch, in dem es schlicht und ergreifend um einen Mann namens Danny geht, der mit Hilfe eines Pandakostüms die Beziehung zu seinem elfjährigen Sohn aufpimpen will, stattdessen jedoch immer neue Probleme erzeugt, statt alte zu lösen.

Alles ist „too much“ würde meine ehemalige Lehrerin für kreatives Schreiben urteilen, nichtsdestotrotz hat Gould-Bourn ein Talent, aus dem er sicher für sein kommendes Buch schöpfen kann. „Pandatage“ kosten 20 Euro.

Für dagegen nur 18 Euro ist jetzt die grandiose Neuauflage des Weltbestsellers einer feministischen Galionsfigur „Salz auf unserer Haut“ von Benoîte Groult bei Ullstein (www.ullstein-buchverlage.de) erhältlich:

George, eine Pariser Intellektuelle, verliebt sich in Gauvin, einem bretonischen Fischer. Schon bald erkennen sie, dass ihre unterschiedliche Erziehung und Bildung zwischen ihnen steht, doch ihr Verlangen zueinander will alle Konventionen brechen und das über viele, viele Jahre hinweg, in denen sie immer wieder einen schmalen Grat zwischen Traum und Wirklichkeit für sich finden.

Es geht um Freiheit, gesellschaftliche Moralverstellung und um das, worum sich das Universum zu drehen scheint, der Schwanz des Mannes. So wurde „Salz auf unserer Haut“, 1988 zum ersten Mal erschienen, im Heimatland der Autorin Frankreich auch als „Frauen-Porno“ und „Hymne an den Phallus“ bezeichnet, verkaufte sich weltweit aber millionenfach und ist schon heute ein Klassiker.

Für mich ist es darüber hinaus ein klares wie kluges und scharfsinniges Buch, federleicht geschrieben, zeitlos und ehrlich. Chapeau für 336 Seiten!

Sönke C. Weiss

 

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