In seinem jüngsten Buch „Passport“ zeigt uns der französische Fotograf François-Marie Banier (www.fmbanier.com) einfach nur 29 Gesichter junger Afghanen, die er auf den Straßen von Paris porträtiert hat, die ihren Weg vom Hindukusch zum Place de la République geschafft haben, irgendwie.
Der Schriftsteller Atiq Rahimi hat die jungen Männer befragt, daraus entstanden Textfragmente, die zu den Bildern hinzugefügt wurden. Es sind Sätze, die oftmals mehr sagen und einen tiefer treffen, denn mancher Roman auf 500 Seiten. Wie zum Beispiel:
„In your eyes I am the other. Like you in the eyes of another.“ Was so viel heißt wie: In deinen Augen bin ich der Andere. Wie du das in den Augen eines Anderen bist.
„Passport“ ist ein direktes, ein ehrliches Buch, das sich wie eine Herzensangelegenheit der Autoren Banier und Rahimi anfühlt, die voller Empathie Umstände wie Exil, Fremdheit und Dazugehören in Wort und Bild in Frage stellen, so sie doch zu unserer modernen Welt dazugehören.
Das Alltägliche steht auch in Martin D‘Orgevals neuen Buch „Sur Face“ (Ober Fläche) im Mittelpunkt.
Der ebenfalls französische Fotokünstler (www.martindorgeval.com), dem man wohlgetrost als Minimalisten bezeichnen darf, zeigt uns 26 scheinbar banale Dinge auf oder in Oberflächen, wie ein Loch in einer Holzwand, einen Farbklecks auf einer Straße oder eine Zahl auf einer Häuserwand.
D’Orgevals trifft in seiner Fotokunst Aussagen zu Materie, die Sache, die alles verbindet, die sich ihm zu offenbaren scheint und sagt: ‚Ich bin das. Mach mal ein Foto.“
Die große Gabe dieses Künstlers ist, dass bevor der Auslöser klickt, er erkennt, wann sich ihm Materie offenbart. Ich vermute, er kann die Anwesenheit von Photonen wahrnehmen, was kein Witz ist.
Er erkennt das Moment. So oder so, seine Kunst erlaubt uns einen anderen Blick auf die Welt, ist verzückend und legt trotz seiner offensichtlichen Einfachheit etwas sehr Komplexes unter der „Ober Fläche“ frei.
Beide Bücher - unterschiedlich, nichtsdestotrotz auf ihre nonkonformistische Art faszinierend - sind bei Steidl erschienen (www.steidl.de). „Passport“ kostet 24, „Sur Face“ 40 Euro.
Sönke C. Weiss
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Das Alltägliche steht auch in Martin D‘Orgevals neuen Buch „Sur Face“ (Ober Fläche) im Mittelpunkt. Foto: YouTube



