Sie studierte in Zürich und Paris, nach ihrer Promotion schloss sie Freundschaft mit Erika und Klaus Mann und anderen antifaschistischen Intellektuellen in Berlin.
Als wache Zeitzeugin reiste sie schreibend und fotografierend nach Russland, durch den Mittleren Osten, die USA und in den Kongo.
Das kurze Leben der unheilbar Reisenden war stets überschattet von Spannungen mit ihrer konservativen Familie, von ihrer unerfüllten Liebe zu Frauen und der wiederkehrenden Morphiumsucht:
Annemarie Schwarzenbach, geboren 1908, eine der besten Autorinnen der deutschen Sprache jemals.
„Die vierzig Säulen der Erinnerung" lautet der Titel des zehnteiligen Prosazyklus, den sie auf ihrer Reise nach Afghanistan 1939 in ihrem Ford Roadster geschrieben hat.
Die nur knapp 40 Seiten sind aber kein Reisebericht, sondern eine poetische Reflexion, in der sich Vergangenheit und Gegenwart wie Realität und Imagination treffen.
Melancholisch und unvergesslich. Immer am Rande der Verzweiflung.
Wie das Leben der Annemarie Schwarzenbach. Am Ende gerät sie in einen Teufelskreis aus Drogen, Affären, Zusammenbrüchen, Reisen und Entziehungskuren:
„Ich laufe vor schwarzen Löchern davon." Durchs Alleinreisen will sie endlich ihr Glück finden. Auf der letzten Fahrt in den Kongo 1941 wird sie dann als Nazispionin diffamiert.
Denn eine Frau, die alleine reist, hat nach patriarchaler Logik etwas zu verbergen. Schließlich kehrt Annemarie 1942 zurück in die Schweiz nach Sils.
Dort stirbt sie mit 34 Jahren an den Folgen eines Fahrradunfalls.
Aber die Literatur dieser Ikone lebt für immer weiter. „Die vierzig Säulen der Erinnerung" sind im Golden Luft Verlag (www.golden-luft.de) erschienen. Fadengeheftete französische Broschur. 23 Euro.
Sönke C. Weiss


Annemarie Schwarzenbach war hedonistisch, depressiv, nachtaktiv, unangenehm und auch verletzend. Foto: Youtube/Spot-Screenshot



