Holger Schellkopf, Chefredakteur bei W&V, wurde wohl heute von einer Laus gebissen.
Lieber Herr Böhmer,
Steffi Czerny ist eine kluge Frau. Dafür hätte es keinen zusätzlichen Beweis mehr gebraucht, die Neuinterpretation des DLD, vor allem aber das Motto "What the World Needs Now" sind trotzdem bestens dafür geeignet.
Der Blick nach vorne steht bei einem neuen, virtuellen Format des DLD im Mittelpunkt.
Dazu gehört die Erkenntnis, dass Veränderungen immer auch Chancen bieten und die Suche nach Antworten auf zentrale Fragen:
Welche neuen Produkte und Innovationen brauchen wir jetzt? Wie können wir die Veränderungen in unserer Welt nachhaltig nutzen – für die Gesellschaft und uns ganz persönlich? Kurz: was die Welt jetzt braucht.
Man könnte den Ansatz im Grunde auch umkehren, nach dem Motto: Was die Welt jetzt nicht braucht (und eigentlich noch nie gebraucht hat). Davon gibt es leider aktuell ziemlich viel.
Die negativen Dauer-Jammerer gehören dazu. Die verhindern nämlich einen konstruktiven Umgang mit den unzweifelhaft vorhandenen Schwierigkeiten.
Die Leerdenker gehören dazu, die sich selbst für kritisch halten, in Wahrheit aber mindestens schlecht informiert sind und alles negieren, was nicht in ihr (gerne auch mal aus Verschwörungstheorien gebasteltes) kleines Weltbild passt.
Fakten oder gar tatsächliche wissenschaftliche Erkenntnisse spielen in diesen Parallelwelten nur eine maximal untergeordnete Rolle.
Solche Menschen melden sich dann gerne auch mal bei uns, wollen uns bekehren oder auch einfach nur beschimpfen.
Sie werfen uns beispielsweise vor, doch nur brav auf Linie zu sein und Regime-Framing zu zelebrieren. In solchen Fällen frage ich mich immer, ob ich irgendwas verpasst habe.
Bei uns ist bisher nichts eingetroffen, was eine Linie vorgeben würde, Regime-Framing kenne ich eher totalitären Staaten.
Deshalb werden wir auch in Zukunft tun, was wir bisher tun: journalistisch arbeiten, kritisch hinschauen und einordnen, Wissen vermitteln, Meinungsvielfalt schätzen.
Dazu gehört Kritik, wo sie angebracht ist. Dazu gehört Lob, wo es verdient ist. Dazu gehört am Ende auch die Hoffnung, dass sich der Eine oder die Andere auch wieder aus der selbst gewählten intellektuellen Isolation befreien lässt.
Das wäre jedenfalls etwas, das die Welt gut gebrauchen könnte.
Schönen Abend!
Holger Schellkopf


Das Motto des DLD: "What the World Needs Now" Foto: DLD



