Gesellschaft Freunde der Künste
deutsche Traditionsfluggesellschaft

Erst kam der Flugscham, dann die Pandemie

Verena Gründel, Mitglied der Chefredaktion bei W&V, wollte weniger Fliegen, diese Entscheidung wurde ihr abgenommen.

Lieber Herr Böhmer,

letztes Jahr saß ich nicht ein einziges Mal in einem Flugzeug. Das ist mir zuletzt als Teenager passiert. Ich hatte mir ohnehin vorgenommen, weniger zu fliegen und mehr Bahn zu fahren.

Dann kam Corona. Mein Flugverhalten zeigt exemplarisch das Dilemma, in dem gerade die Lufthansa steckt.

Erst kam der Flugscham, dann die Pandemie. Selbst wenn wir letztere überwinden, werden virtuelle Meetings und das schlechte Gewissen gegenüber der Umwelt zumindest mittelfristig bleiben.

Es führt also kein Weg daran vorbei: Die deutsche Traditionsfluggesellschaft muss sich neu erfinden. Sie muss sich konsequent und radikal für Neues öffnen – und bei den ganzen Sparmaßnahmen den Blick auf die Marke nicht verlieren.

Die Lufthansa wird nach der Krise eine andere sein als zuvor, so viel steht fest.

Auch Airbnb leidet unter der Krise. Und trotzdem setzt die Vermittlungsplattform ein Zeichen und entschließt sich dazu, rund um die Amtseinführung von Joe Biden in Washington D.C. keine Zimmer zur Verfügung stellen.

Sie geht sogar noch weiter: Sie lässt alle bisherigen Buchungen zu diesem Zeitraum stornieren. Sämtliche Kosten dafür trägt das Unternehmen selbst.

Damit reiht sich Airbnb zwischen den Unternehmen ein, die eventuelle Gewaltaktionen im Rahmen der Amtseinführung unterbinden wollen.

Sie alle übernehmen in bisher nicht dagewesenem Maße politische Verantwortung – oder greifen massiv in Politik und Gesellschaft ein. Je nachdem, wie man es betrachten will.

Das sagt zum einen etwas über die Unternehmen aus, die ohne Rücksicht auf Verluste Haltung zeigen. Zum anderen ist es ein Armutszeugnis für die politische Situation in den USA, die noch immer außer Kontrolle ist.

Noch mehr True Crime gefällig? Im Podcast-Universum sind wahre Kriminalgeschichten der Renner. Die Deutsche Telekom springt auf den Trend auf und entwickelt rund um das Thema einen Unternehmens-Podcast.

Was dahinter steckt und was wir davon lernen können, hören Sie wiederum in der Premiere unseres W&V-Podcasts „Behind the Pod“.

Alle zwei Wochen besprechen Felicia Mutterer und Stephanie Lachnit von Achtung! Broadcast Audioformate von Unternehmen mit den Machenden. Meine Kollegin Lena Herrmann ergänzt die Folgen mit ihren persönlichen Hörtipps. Schalten Sie unbedingt ein.

Einen schönen Abend wünscht

Verena Gründel

 


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