Gesellschaft Freunde der Künste
Antibürgerlich, anarchisch und pazifistisch

Zentrum für verfolgte Künste, Solingen: „Sperren Sie endlich Ihren Kopf auf"

Mehr Widerspruch wagen: Die Ausstellung in Solingen fordert mehr Dada. Gesprächsabende mit Rocko Schamoni und Blixa Bargeld ergänzen programmatisch die Ausstellung.

In einer Zeit zunehmender politischer Verrohung, wachsender autoritärer Tendenzen und eines Angriffs auf Sprache und Wahrheit setzt das Museum Zentrum für verfolgte Künste ein bewusstes Zeichen:

Wir brauchen heute mehr Dada. Die Ausstellung versammelt Werke unter anderem von Erwin Blumenfeld, Otto Dix, Hannah Höch, George Grosz, John Heartfield, Richard Huelsenbeck, Kurt Schwitters und Sophie Taeuber-Arp.

„Sperren Sie endlich Ihren Kopf auf!"Dada als politische Kunst zwischen den Weltkriegen zeigt Dada nicht als historische Avantgarde, sondern als radikale künstlerische Antwort auf Krieg, Ideologie und den Verlust demokratischer Werte.

Gegründet 1916 im Ersten Weltkrieg, wandten sich die Dadaistinnen und Dadaisten mit scharfer Kritik, Ironie und bewusster Irritation gegen gesellschaftliche und politische Missverhältnisse.

Antibürgerlich, anarchisch und pazifistisch hinterfragte Dada bestehende Ordnungssysteme und bediente sich neuer Formen künstlerischen Ausdrucks – von Collage und Fotomontage über Literatur bis zur Performance.

Künstlerinnen und Künstler wie Hannah Höch, George Grosz und John Heartfield setzten diese Strategien auch im Widerstand gegen den aufkommenden Nationalsozialismus ein; von den Nationalsozialisten wurde ihre Kunst als „entartet" diffamiert.

Die aufgeworfenen Fragen haben auch heute Relevanz: Wie reagiert Kunst auf gesellschaftliche Krisen? Wie behauptet sich Freiheit gegenüber Ideologie und Vereinfachung?

Und welche Rolle können künstlerische Strategien der Störung heute für demokratische Öffentlichkeit spielen?

„Dada ist aufregende, innovative Kunst, aber auch ein Appell. Die pazifistisch eingestellten Dadaist:innen zweifelten bereits den Sinn des Ersten Weltkriegs an.

Arbeitslosigkeit und Armut prägten die neue Weimarer Republik, das Bürgertum war träge im Denken und Handeln.

Machtstrukturen aus dem Kaiserreich waren erhalten geblieben und einige wenige machten sich die Taschen voll. Dada klagte an und forderte das Publikum zum Hinsehen, Reflektieren und Verstehen auf."

Dr. Katharina Günther,
Kuratorin der Ausstellung
 
„Dada ist auch heute nicht „vorbei". Dada hat nach NO!art und Fluxus im Untergrund und vor allem in der Musik überlebt. Dada existiert im absichtsvollen Anti-Sound weiter, im Spiel mit Nonsens, im performativen Angriff aus dem Katzenklo.

Dada ist eine Aufforderung, die Mechanismen der Macht im Bild, im Satz, im Reflex zu erkennen. „Kopf auf " heißt nicht, mehr Information. Es bedeutet, fang endlich an zu denken – und handle, damit unsere Demokratie nicht untergeht."

Dr. Jürgen Joseph Kaumkötter,
Direktor Zentrum für verfolgte Künste, Solingen

Ein besonderer Höhepunkt ist ein Abend mit Blixa Bargeld am 25. Juni 2026. Der Musiker führt mit seinen Arbeiten zentrale Impulse des Dada in die Gegenwart fort. Bereits am 31. Mai spricht Rocko Schamoni über Nonsense, Absurdität und Humor als künstlerische Strategie.

Die Ausstellung knüpft an die Arbeit des Zentrums für verfolgte Künste an, das sich international der Erforschung und Vermittlung von Kunst widmet, die unter Bedingungen von Verfolgung, Krieg und Diktatur entstanden ist.

Kuratiert wird sie von Dr. Katharina Günther. Die Kunsthistorikerin verbindet in dieser Ausstellung historische Forschung mit der Frage nach der Gegenwartskraft künstlerischer Positionen. – Zur Ausstellung erscheint eine Katalog im Hirmer Verlag.

Eröffnung: Samstag, 9. Mai 2026, 18 Uhr

Laufzeit: 9. Mai bis 13. September 2026

Rocko Schamoni im Gespräch über Nonsense, Absurdität und Humor als künstlerische Strategie: 31. Mai 2026

Blixa Bargeld, Soloperformance: 25. Juni 2026