Dagegen sind Leben und Rang von Paul Cézanne den meisten Kunstfreunden halbwegs geläufig. Wohl deshalb beschränkt sich die Fondation Beyeler in Riehen bei Basel auf die Neuerung, seinen Namen ohne Accent aigu zu schreiben:
"Cezanne" ist eine umfassende und üppig bestückte Retrospektive seines Spätwerks, bietet aber keine anregenden Thesen oder Entdeckungen.
Jetzt ohne Accent aigu über dem „e“: Das ist die augenfälligste Neuerung der großen Retrospektive in der Fondation Beyeler.
Sie zeigt rund 80 Ölgemälde und Aquarelle aus dem Spätwerk des Wegbereiters der Moderne – eine üppig bestückte Schau, die zu Vergleichen einlädt, aber Entdeckungen vermissen lässt.
Das sieht wohl jedes Kind: Mit dem „Knaben mit der roten Weste“ stimmt etwas nicht. Der rechte Arm ist im Vergleich zum restlichen Körper viel zu lang und voluminös.
Der linke Arm findet wiederum auf dem Untergrund keinen wirklichen Halt.
Die rote Weste schlingt sich als rotes Band um die übrigen Farbflächen herum, und der vermeintliche Tisch ist ein merkwürdiges, wellenförmiges Gebilde mit verzerrter Perspektive.
Dabei hat Paul Cezanne (1839-1906) rund zwei Jahre lang von 1888 bis 1890 an diesem Bild gearbeitet. Konnte er es nicht besser?
Gelang es ihm einfach nicht, alles in den richtigen Proportionen und der richtigen Perspektive wiederzugeben? Weit gefehlt.
Das Ölgemälde ist ein Paradebeispiel für die Porträts, die der Künstler in seinem Spätwerk malte: Ihm ging es nicht um die dargestellten Personen, ihren Charakter oder ihre Gemütszustände.
Primitiver mit trägem Auge
Ob beim „Knaben mit der roten Weste“, dem „Bildnis des Gärtners Vallier“ (1906), den „Kartenspielern“ (1893/6) oder seiner eigenen Frau „Madame Cézanne im gelben Lehnstuhl“ (1888/90):
Cezanne interessierte allein Kompositionen als seine eigenen, freien Schöpfungen, mit denen er sich in einem zähen Ringen von allen bisherigen Regeln der Kunst lossagte.
„Ich bin ein Primitiver, ich habe ein träges Auge“, sagte er zu Freunden: „Ich mache kein Ganzes; wenn mich ein Kopf interessiert, mache ich ihn zu groß.“
Feature zur Ausstellung. © Fondation Beyeler
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Paul Cezanne: Die Kartenspieler, 1893–1896, Öl auf Leinwand, 47 x 56,5 cm, Musée d'Orsay, Paris. © Musée d'Orsay, Dist. GrandPalaisRmn / Patrice Schmidt
Paul Cezanne: Gruppe von Badenden, um 1895, Öl auf Leinwand, 47 x 77 cm, Ordrupgaard, Kopenhagen. Foto: Anders Sune Berg
Paul Cezanne in seinem Atelier in Les Lauves; Foto von Émile Bernard (1868–1941); Paris, Musée d’Orsay. © GrandPalaisRmn (Musée d’Orsay) / René-Gabriel Ojeda



