Deutlich ambivalenter ist hingegen "Zwischen uns das Meer": Regisseur Saïd Hamich Benlarbi zeichnet den Werdegang eines illegalen Einwanderers aus Marokko in Frankreich über etliche Jahre nach.
Neben üblichen Schwierigkeiten erlebt er auch Überraschendes: etwa eine Dreiecksbeziehung mit einem Polizisten und dessen Frau. Kein Klischee-Problemfilm, sondern so vielschichtig wie das Leben.
(Kinostart: 23.4.) Von der Unmöglichkeit, im Exil anzukommen: Über etliche Jahre folgt Filmemacher Saïd Hamich Benlarbi einem illegalen Migranten aus Marokko in Frankreich.
Sein Weg hat erstaunliche Wendungen, etwa in eine Dreiecksgeschichte – gegen die übliche Trostlosigkeit des Asylantenfilm-Genres.
Marseille in den frühen 1990er Jahren: Der illegal aus Marokko nach Frankreich eingewanderte Nour (Ayoub Gretaa) lebt mit anderen sans papiers, also Personen ohne gültige Aufenthaltsgenehmigung, ein randständiges Leben in einem Abriss-Haus.
Die Hoffnungen des Endzwanzigers auf ein besseres Leben in Europa zerschlagen sich schnell. Die Stoßrichtung der Geschichte scheint schnell klar: Nour steckt in einer Abwärtsspirale.
Mit Gaunereien, etwa dem Verkauf von „vom LKW gefallener“ Hehlerware, hält er sich über Wasser. Dabei folgt der Spielfilm von Regisseur Saïd Hamich Benlarbi in der ersten halben Stunde seinem Protagonisten im Verlauf eines Jahrzehnts.
Dieser Teil des Films wirkt fast dokumentarisch – mit facettenreichen, beiläufig inszenierten Einblicken in illegale Lebenswelten mitten in Frankreich.
Raï als Pulsschlag
Manche von Nours Bekannten erliegen wie er der Versuchung, mit Kleinkriminalität schnelles Geld zu verdienen; wer familiäre Verpflichtungen hat, sucht in agrarischen Knochenjobs ein weniger riskantes Auskommen.
Benlarbi zeigt aber auch, wie die Gemeinschaft immer wieder zusammenfindet, um zu feiern: Flirrende Raï-Musik, ein in Algerien entstandenes Amalgam aus Volksmusik und Pop, gibt dem Film seinen Pulsschlag.


Noémie (Anna Mouglais, l.) und Nour (Ayoub Gretaa, r.) in einer Bar. Foto: immergutefilme Filmdistribution
Serge (Gregoire Colin, r.) und Nour (Ayoub Gretaa, l.) im Kommissariat. Foto: immergutefilme Filmdistribution
Serge (Gregoire Colin, links von Noemie) Noémie (Anna Mouglais) und Nour (Ayoub Gretaa) tanzen auf einer Party von Nours Freunden. Foto: immergutefilme Filmdistribution



