Ein weiteres exzentrisches Lebensmodell ist in "Sonnenstadt" zu besichtigen. Der russische Sektenführer Wissarion gibt sich als Messias aus; er hat 4000 Gläubige in südsibirischen Dörfern angesiedelt.
2020 wurde er festgenommen, 2025 zu zwölf Jahren Haft verurteilt.
Seine Anhänger hat Regisseurin Kristina Shtubert fünf Mal in einer Dekade besucht; ihre Langzeitstudie dokumentiert den sozialen und spirituellen Halt, den die archaische Gemeinde vielen ihrer Mitglieder bietet.
Leben in einer ekstatischen Wahrheit: In der sibirischen Taiga scharte ein selbst ernannter Messias 4000 Anhänger um sich, bis er 2020 verhaftet wurde.
Regisseurin Kristina Shtubert porträtiert einfühlsam Aussteiger und Außenseiter – und zeigt, warum für manche eine Sekte wohl das Beste ist.
In der sibirischen Taiga, rund 1000 Kilometer westlich des Baikalsees, liegt die Sonnenstadt. Sie ist das Zentrum einer Reihe von Siedlungen entlang des Flusses Kasyr.
Ihre Einwohner betreiben vorindustrielle Landwirtschaft; sie leben in sich selbst versorgenden Öko-Dörfern, wie es sie auch im Westen gibt.
Nur dass der geistige Führer der rund 4000 Bewohner sich für Jesus hält.
Bevor Sergej Torop unter dem Namen Wissarion die „Kirche des Letzten Testaments“ gründete, war er Verkehrspolizist und Maler.
Seine Karriere als Gottessohn begann in der zerfallenden Sowjetunion; seine erste Predigt hielt er im August 1991. Bereits zwei Jahre später posierte er im Dokumentarfilm „Glocken aus der Tiefe – Glaube und Aberglaube in Rußland“ von Werner Herzog bereitwillig vor der Kamera.
Diese Doku ist ein Musterbeispiel für Herzogs Konzept der „ekstatischen Wahrheit“: Um der filmischen Wirkung willen reichert er real Vorgefundenes zuweilen mit fiktiven Elementen an.
Fünf Besuche in zehn Jahren
Anders geht Filmemacherin Kristina Shtubert vor, die 2013 erstmals die Sonnenstadt besucht.
Da Wissarion mittlerweile Interviews und Filmaufnahmen meidet, porträtiert die Regisseurin stattdessen Mitglieder seiner Gemeinde.
Ihr Film zeigt Menschen, die gewissermaßen innerhalb einer ekstatischen Wahrheit leben. Dafür ist sie im Verlauf von etwa zehn Jahren vier Mal in die Sonnenstadt zurückgekehrt.
Der russische Sektenführer Sergei Anatoljewitsch Torop, bekannt als Vissarion, wurde wegen schwerer Körperverletzung, psychologischer Manipulation, der Verletzung von Bürgerrechten und finanzieller Ausbeutung seiner Anhänger zu 12 Jahren Haft verurteilt.
Nach seiner Festnahme im Jahr 2020 sprach ihn ein russisches Gericht im Sommer 2025 schuldig. Unter der Fassade seiner Glaubensgemeinschaft, der „Kirche des Letzten Testaments“, betrieb er über Jahrzehnte ein repressives System.
Kunst+Film-Redaktion
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Heimaltar mit Porträt des Sektenführers Wissarion. Fotoquelle: Across Nations/ Cinekix
Prozession von Gläubigen in der Sonnenstadt. Fotoquelle: Across Nations/ Cinekix
Nächtliches gemeinsames Singen von Gläubigen in der Sonnenstadt. Fotoquelle: Across Nations/ Cinekix



