Die Welt aus Hühneraugen-Sicht zeigt hingegen der ungarische Regisseur György Pálfi, der in Griechenland gedreht hat: Aus der Tristesse ihrer Geflügel-Fabrik flieht eine Henne und erlebt allerhand Abenteuer. Was keinen possierlichen Federvieh-Film ergibt, sondern eher eine philosophische Meditation darüber, was Menschen Tieren und einander alles antun; eben "Lebensansichten eines Huhns".
Gangsterfilm mit Federvieh: Die Welt durch die Augen einer entlaufenen Henne zeigt György Pálfi in einem originellen und großartig fotografierten Tierfilm. Abrupt, aber konsequent, schlägt die possierliche Inszenierung in der zweiten Hälfte in ein menschliches Drama um.
Am Anfang wird in leinwandfüllender Großaufnahme ein Ei aus einem Huhn gepresst – ein mühsam wirkender Geburtsprozess. So sehr Hühnereier zum Alltag vieler Menschen gehören, so wenig Verbindung haben die meisten zu den Tieren, die sie produzieren.
„Lebensansichten eines Huhns“ beginnt mit dokumentarischen Aufnahmen einer Hühnerfabrik, die überall stehen könnte; hier befindet sie sich in Griechenland.
Dort werden Zehntausende von Eiern ausgebrütet und die geschlüpften Küken am Fließband sortiert. Später kommen sie in enge Aufzucht-Ställe, bevor man sie auf LKW verlädt. Die Tiere werden als Waren behandelt, nicht als Lebewesen.
Aus der Hühnerperspektive
Die namenlose Protagonistin des Films, eine schwarze Henne, entkommt durch Zufall ihrem Schicksal und flattert in die Freiheit. Auf ihrer Flucht begegnet sie diversen anderen Tieren und Menschen.
Die Kamera folgt dem Tier auf seinem Weg und nimmt dabei immer wieder seine subjektive Perspektive der Dinge ein. Wie könnte eine Autofahrt aus Hühnersicht aussehen?
Oder ein Markt? Der Film imaginiert dazu interessante Bilder; vor allem die Aufnahmen der verschiedenen Tiere sind schlichtweg großartig.
Kein Kükenglück für die Heldin
Nun ist ein Huhn kein Wildvogel; Menschen greifen immer wieder in sein Schicksal ein. So landet die Henne im kleinen Stall eines alten Mannes (Ioannis Kokiasmenos) und darf dort unter Artgenossen ihr Hühnerdasein leben.
Sie „verliebt“ sich in den Hahn und hat mit der Eifersucht der anderen Hennen zu kämpfen. Diese Szenen werden mit schwärmerischen Liebesliedern unterlegt und offenbaren so einen eigenwilligen Humor.
Das Glück, ein Küken auszubrüten, und damit seine eigentliche biologische Bestimmung wird dem Tier jedoch verwehrt, weil ihm die Menschen die Eier wegnehmen.
Allerdings ist das Ausbüxen zur zweiten Natur der neugierigen Henne geworden; so unternimmt sie immer wieder Erkundungsgänge außerhalb des Geheges. Durch die Augen des Huhns schaut man als Zuschauer nun auf das Treiben der Menschen.
Kunst+Film-Redaktion
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Der Restaurantbesitzer (Ioannis Kokiasmenos) mit dem Huhn. Foto: © Neue Visionen Filmverleih
Das Huhn in Freiheit. Foto: © Neue Visionen Filmverleih
Das Huhn in Nahaufnahme. Foto: © Neue Visionen Filmverleih



