Dagegen macht es sich Jia Zhangke, Chinas wohl wichtigster Autorenfilmer, in seinem neuen Werk "Caught by the Tides" sehr einfach:
Er recyclet alte outtakes seines Films "Still Life" und ergänzt sie mit neuen Aufnahmen. Doch die zwei Dekaden überspannende love story gerät arg dürftig - auch dank der stummen Hauptdarstellerin.
(Kinostart: 15.5.) Recycling aus der Restekiste: An zwei Jahrzehnte altes Filmmaterial stückelt Regisseur Jia Zhangke neu gedrehte Aufnahmen an.
Für einen banalen Geliebtensuche-Plot, durch den Zhao Tao als stumme Hauptdarstellerin irrt – so demontiert Chinas wohl bedeutendster Autorenfilmer sein Denkmal.
Für alternde Regisseure muss die Versuchung eines Selbstplagiats groß sein: Warum nicht einen Zweitaufguss dessen fabrizieren, was schon einmal funktioniert hat?
Das machen Musiker oder Literaten schließlich auch. Zudem sind Spielfilme eine äußerst redundante Kunstform:
Wie bei einem Eisberg stellt das fertige Ergebnis nur die sichtbare Spitze dessen dar, was zuvor dafür hergestellt worden ist.
Drehbücher werden oft umgeschrieben, Einstellungen viele Male gedreht, im Schnitt mehrere Versionen angefertigt, bevor eine von ihnen endlich ins Kino kommt. Da bietet sich Wiederverwendung geradezu an.
Während die meisten Regisseure Selbstzitate eher kaschieren, geht Jia Zhangke die Sache offen an. Sein neues Werk „Caught by the Tides“ besteht überwiegend aus alten Aufnahmen, die er vor Jahrzehnten gedreht hat.
Meist wohl für seinen Film „Still Life“, mit dem er 2006 beim Festival in Venedig den Goldenen Löwen gewann; es war sein internationaler Durchbruch.
Seither gilt er als der neben Zhang Yimou bedeutendste Autorenfilmer Chinas.
Dammbau als Symbol für Turbo-Modernisierung
„Still Life“ beeindruckte vor allem durch seine Landschafts-Panoramen aus der Region um den Drei-Schluchten-Damm.
Die gigantische Anlage mit dem größten Wasserkraftwerk der Welt wurde von 1995 bis 2012 errichtet; ihre Talsperre staut einen rund 660 Kilometer langen See auf.
Dadurch verschwand ein riesiges Gebiet der malerischen Schluchten, durch die der Jangtsekiang hier fließt, für immer unter den Fluten – ein einprägsameres Bild für Chinas Turbo-Modernisierung lässt sich kaum denken.
Kunst+Film-Redaktion


Nach Bins Verschwinden macht sich Qiaoqiao (Zhao Tao) auf die Suche nach ihm. Foto: © kinofreund eG 2025
Qiaoqiao (Zhao Tao) will Guo Bin (Li Zhubin) verlassen, er hindert sie daran. Foto: © kinofreund eG 2025
Qiaoqiao (Zhao Tao) und und Guo Bin (Li Zhubin) vor Sozialem Wohnungsbau in China. Foto: © kinofreund eG 2025







