Ähnliche Erfolgserlebnisse schweben den Protagonistinnen von "Liebhaberinnen" vor, doch ihre Talente sind bescheidener. Beide wollen die Männer ausnutzen, aber das klappt nicht so recht.
1975 schrieb Elfriede Jelinek diese radikalfeministische Heimatroman-Karikatur; sie bescherte ihr den Durchbruch. Nun hat Regisseurin Caroline "Koxi" Kox das Buch sehr frei verfilmt; als Messehostess am Rande der Pleite überzeugt Johanna Wokalek.
Wie angelt man sich ein Muttersöhnchen? Das Regie-Debüt von Caroline „Koxi“ Kox ist eine sehr freie Adaption eines frühen Romans von Elfriede Jelinek. Dieses Doppelporträt zweier Frauen, die sich nie begegnen, bietet interessante Spiegelungen und Reibungen zwischen Text und Bild.
„Ich hab‘ neulich die kleine Paula von der verrückten Angelika getroffen.
Die ist genau wie du damals. Die will auch was Großes von der Welt.“ So grantelt Brigittes Mutter (Susanne Bredehöft) ins Telefon – und löst damit bei ihrer Tochter eine regelrechte Obsession aus.
Denn Brigitte (Johanna Wokalek) erkundet auf ihrem Mobiltelefon sogleich die Social-Media-Kanäle der jugendlichen Influencerin. Und tatsächlich: Sie haben viel miteinander gemeinsam.
In einem der ersten reels, in die sich Brigitte bald in jeder freien Minute vertieft, fragt Paula (Hannah Schiller) eine KI, was sie tun müsse, um berühmt zu werden.
Die Antwort ist zwar nur bedingt hilfreich, aber die Frage zeigt, worauf es beiden Frauen im Leben ankommt: Sie wollen etwas Besonderes sein, um die Tristesse des Daseins in ihren Familien und der Provinz hinter sich zu lassen.
Aufsteigender Stern im Internet
Paulas Stern ist im Aufstieg begriffen. Kein Wunder, ist sie doch bereit, alles, was sie hat, zur Ware zu machen.
Außer Bildern bietet sie etwa abgeschnittene Zehennägel oder ihr Badewasser feil. Brigitte verfolgt mit Staunen, was in der digitalen Welt an Selbstvermarktung möglich ist.
Allerdings erkennt sie in Nahaufnahmen, in denen Paula sich schminkt, bereits die zukünftigen Augenringe ihrer Nachfolgerin.
Die älteste Hostess im Team
Sie selbst hat, seit sie in die Stadt gekommen ist, schon mehrere Lebensentwürfe aufgebraucht und kaum noch Hoffnung auf ein Happy-End.
Weil sie chronisch pleite ist, muss Brigitte ihre Wohnung untervermieten; daher schläft sie regelmäßig in der Umkleide eines Fitnessstudios. Dazu ist sie seit Jahren in einem Job als Messehostess hängen geblieben.
An langen Arbeitstagen im kurzen Kostüm und auf hohen Stilettos müht sie sich, einer reichen Käuferschicht atomkriegssichere Luxusbunker schmackhaft zu machen – ein Job, der neben einem strahlenden Lächeln auch einigen Körpereinsatz erfordert.
In ihrem Team ist sie mit Abstand die Älteste.
Kunst+Film-Redaktion
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Brigitte (Johanna Wokalek) macht sich bereit für den nächsten Auftritt. Foto: © COIN Film
Noch frisst Heinz (Ben Münchow) Brigitte (Johanna Wokalek) aus der Hand. Foto: © COIN Film
Heinz (Ben Münchow) zweifelt daran, dass Brigitte (Johanna Wokalek) gut für ihn ist. Foto: © COIN Film



