Gesellschaft Freunde der Künste
Moderne Tapisserien

Ob es der Mühe wert war, dafür jahrelang Garne miteinander zu verweben? - Eine Welt aus Fäden

Zeitlose Qualitäten haben dagegen die Exponate im Leipziger Museum der bildenden Künste: "Welt aus Fäden - Bildteppiche der Moderne" versammelt etwa 50 meterhohe Tapisserien mit Motiven von Klassikern der Moderne und zeitgenössischen Künstlern.

Auf den ersten Blick wirkt das sehr beeindruckend - auf den zweiten fragt man sich bei manchen, ob es der Mühe wert war, dafür jahrelang Garne miteinander zu verweben. 

Heimelig ist hier nichts: Moderne Tapisserien werden nach Entwürfen berühmter Künstler als repräsentativer Wandschmuck angefertigt.

Diese vor allem in Frankreich gepflegte Staatskunst ist überraschend abwechslungsreich – aber oft fehlt ästhetischer Mehrwert, wie das Museum der bildenden Künste zeigt.

Der erste Eindruck ist überwältigend

An Holzgestellen, die teils schräg in den Raum hineinragen, hängen meterhohe Bilder. Aufgespannt und von beiden Seiten einsehbar; es handelt sich um so genannte Tapisserien, vollständig aus Fäden „gewirkt“, wie der Fachbegriff lautet.

Auf der Vorderseite ist das Motiv zu sehen, auf der Rückseite veranschaulichen unzählige Fadenenden, wie solche Bildteppiche entstehen: an Webstühlen mit Tausenden von senkrechten Kette- und waagrechten Schuss-Fäden.

Der zweite Eindruck ist der eines déjà-vu. Wer sich für Textilkunst interessiert und die letzte große deutsche Tapisserie-Ausstellung 2019/20 in der Kunsthalle München gesehen hat, dem dürften viele Werke bekannt vorkommen:

Sie gehören zum französischen „Mobilier national“. Diese staatliche Institution stattet hochrangige öffentliche Einrichtungen – Rathäuser, Botschaften oder Ministerien – mit Inventar aus, darunter Tapisserien.

Und Ausstellungen: Das „Mobilier national“ hat sowohl die Schau vor sechs Jahren in München als auch die jetzige in Leipzig großzügig bestückt.

Das Meiste kommt aus zwei Werkstätten

In Frankreich gilt die Herstellung repräsentativer Wandteppiche als staatliche Aufgabe. Deshalb wurden mehr als drei Viertel der rund 50 Arbeiten, die im Museum der bildenden Künste auf vier Etagen gezeigt werden, in nur zwei Werkstätten angefertigt.

Entweder in der Pariser „Manufacture nationale des Gobelins“; sie wurde Anfang des 17. Jahrhunderts gegründet und 1792 verstaatlicht – streng genommen sind nur ihre Erzeugnisse echte Gobelins, wobei der Name auf eine einstige Färber-Familie zurückgeht.

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