Liebe und Familie kommen in der Doku "Do You Love Me" zwar auch vor, aber meist sind die Akteure damit beschäftigt, mit der Zerstörung ihrer Lebenswelt fertig zu werden:
Seit einem halben Jahrhundert wird die libanesische Hauptstadt Beirut in Trümmer gelegt und wieder aufgebaut.
Dazu hat Filmemacherin Lana Daher eine Bilder-Collage aus rund 200 historischen Quellen kompiliert, vom Privat-Video bis zur TV-Show - manchmal verwirrend, meist anrührend und überraschend.
(Kinostart: 7.5.) Liebeserklärung an eine Trümmer-Hauptstadt:
Wie kaum eine andere Kapitale erlebt Beirut ständig Wechselbäder von Zerstörung und Wiederaufbau. Aus fast 200 Bild-Quellen kompiliert die libanesische Filmemacherin Lana Daher eine Chronik der letzten 50 Jahre – zwischen Trauerarbeit und Lebenslust.
Schon der Vorspann beschert Schwindelgefühle: Er beginnt mit einer Auflistung der Verheerungen, die der Krieg zwischen Israel und der Hisbollah im Jahr 2006 mit sich brachte.
Stakkatoartig folgen die Eckdaten von weiteren Konflikten, allen voran der libanesische Bürgerkrieg von 1975 bis 1990. Dabei wird keine Schrifttafel lange genug eingeblendet, um lesbar zu sein.
Auf den hektischen Prolog folgt ein wilder Ritt: eine teils atemlose, teils elegische Film-Collage verschiedener Facetten des Alltags in Beirut, der krisengebeutelten libanesischen Hauptstadt.
Was die Filmemacherin Lana Daher zu diesem Mammutprojekt motivierte, teilt sie ebenfalls im Prolog mit: Selbst im Schulunterricht werde die Geschichte des Libanons in den letzten 50 Jahren totgeschwiegen.
In Elternhaus-Trümmern filmen
Bildwelten, von denen sie Ausschnitte in ihrem Debütfilm zusammenträgt, seien das einzige kollektive Gedächtnis des Landes, betont Daher.
Kurz darauf folgt ein prägnantes Beispiel für diese These:
Die Filmemacherin Jocelyne Saab steht in „Beyrouth, ma ville“ („Beirut, meine Stadt“, 1982) – diese Doku ist der letzte Teil einer Trilogie – zwischen zerbröckeltem Gemäuer und zeigt damit, was während der Belagerung von West-Beirut durch die israelische Armee nach einem Bombenangriff vom 150 Jahre alten Haus ihrer großbürgerlichen Familie übrig ist.
Kunst+Film-Redaktion
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Strandleben neben Hotel-Trümmern: Eine Sonnenanbeterin raucht eine Wasserpfeife, 2015; Foto © Patrick Baz
Rauchsäule über der Innenstadt von Beirut, 2020. Foto: © Ben Hubbard
Ein Mann mit Kassettenrekorder läuft durch eine Trümmerlandschaft, 1995. Foto: © Fouad Elkoury



