Gesellschaft Freunde der Künste
Herzergreifendes Melodram

Historien-Melodram, mit der phänomenalen Jessie Buckley, in "Hamnet"

Dagegen entlockt Regisseurin Chloé Zhao in "Hamnet" einem Todesfall vor 500 Jahren bewegende Einsichten.

Shakespeares einziger Sohn starb in jungen Jahren - was den Dramatiker eventuell zu seiner Tragödie "Hamlet" inspirierte.

Der lückenhaften Überlieferung begegnet Zhao mit einem subtil inszenierten Familien-Porträt: als formvollendet anrührendem Historien-Melodram, mit der phänomenalen Jessie Buckley als Shakespeares Gattin.

(Kinostart: 22.1.) Der Dichter ist abwesend: Regisseurin Chloé Zhao erzählt die Geschichte der Familie Shakespeare als herzergreifendes Melodram, in dem Jessie Buckley als Ehefrau Agnes ausdrucksstark brilliert.

Erst am Ende zeigt die „Hamlet“-Premiere im „Globe Theater“, was ihr Gatte Will in London treibt.

Landleben in Südengland: Die Frau, die mit dem Falken auf dem Arm aus dem Wald tritt, ist für den jungen Hauslehrer Will (Paul Mescal) deutlich faszinierender und attraktiver, als den Kindern der Gegend Latein beizubringen.

Er stellt sich ihr vor; nicht wissend, dass Agnes (Jessie Buckley) die ältere Tochter eines wohlhabenden Bauern ist. Ihre Anziehung ist gegenseitig; bald wird aus dem impulsiven Werben des jungen Will eine romantische Verbindung.

Im Örtchen Stratford-upon-Avon der 1580er Jahre eilt Agnes ein gewisser Ruf voraus. Die unabhängig auftretende, naturkundige Frau wirkt verdächtig in der gottesfürchtigen Gemeinde.

Doch die beiden Außenseiter – die Waldhexe und der Tunichtgut – finden sich und gründen eine Familie. Wobei Will von seinem Vater, einem Handschuhmacher, als Taugenichts geringgeschätzt wird.

Er wagt zu erwidern, dass er als Hauslehrer nur des Vaters Schulden abarbeite.

Nach London der Dichtkunst wegen

Anfangs läuft alles bestens. Agnes und Will leben harmonisch zusammen in seinem Elternhaus. Das Paar bekommt drei Kinder: zuerst die Tochter Susanna, dann die Zwillinge Judith und Hamnet.

Doch das provinzielle Stratford wird dem nachts eifrig dichtenden Will bald zu eng; Agnes schlägt ihm vor, sein Glück in London zu versuchen.

Mit Erfolg: Allerdings weigert sich Agnes beharrlich, ihm mit den Kindern dorthin zu folgen – sie kann der schmutzigen Großstadt wenig abgewinnen.

 

Nichts Genaues weiß man nicht

Ein Biopic über einen Unbekannten: Über das Privatleben von William Shakespeare ist wenig gesichert – seit Jahrhunderten streiten darüber die Gelehrten.

Weitgehender Konsens besteht darin, dass Shakespeare mit der acht Jahre älteren Anne Hathaway verheiratet war und mit ihr drei Kinder hatte.

Die dürftige Quellenlage macht sich die irische Autorin Maggie O’Farrell zunutze, um in ihrem Roman „Hamnet“ (deutsch: „Judith und Hamnet“, 2020) eine fiktionales und intimes Porträt der Familie Shakespeare zu entwerfen. Ihr Buch diente als Vorlage für den Film.

Kunst+Film-Redaktion

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HAMNET | Offizieller Trailer deutsch/german HD