In anderen Zeitspannen denkt Yoko Ono: Seit 70 Jahren macht sie Kunst, vor 45 Jahren wurde ihr Gatte John Lennon ermordet. Die einstige Fluxus-Avantgardistin hat sich zur Rock-Diva des Kunstbetriebs entwickelt und bedient mit schlichten Mitmach-Aktionen ihre Fangemeinde.
Das zeigt die Doppel-Retrospektive "Yoko Ono: Music of the Mind + Dream Together" im Berliner Gropius-Bau und der Neuen Nationalgalerie.
Für Frauen und Frieden in der Welt: Yoko Ono hat in der Gegenwartskunst eine Ausnahmestellung. Die Retrospektive im Gropius-Bau konzentriert sich auf ihre Anfänge als Fluxus-Avantgardistin – die Neue Nationalgalerie setzt auf schlichte Mitmach-Aktionen für gutes Bauchgefühl.
Yoko Ono ist zweifellos die berühmteste Gegenwartskünstlerin der Welt – aber nicht als bildende Künstlerin, sondern als Rockstar.
Hunderte Millionen von Menschen kennen ihren Namen; solche Popularitätswerte werden sonst nur von Show-Größen wie Beyoncé und Taylor Swift erreicht. Allerdings ist Yoko Ono viel länger im Geschäft.
Seit ihren ersten Aufnahmen 1968 mit ihrem künftigen Ehemann John Lennon hat sie etliche Platten herausgebracht.
Bis zur Jahrtausendwende vorwiegend mit konventionellen Pop- und Rocksongs, danach meist als beat-lastige Remixe ihrer Stücke; bis 2015 hatte sie elf number one hits in den Billboard-Dance-Charts.
Außerdem interpretierte sie altes Material mit bekannten Musikern von „Sonic Youth“ bis Iggy Pop neu.
Damit hat Ono ihr künstlerisches Prinzip höchst erfolgreich in die Popmusik übertragen: einen überschaubaren backcatalogue endlos zu variieren und auszuschlachten.
Œuvre wird remixed + neu präsentiert
Während sie die Popcharts knackte, geriet ihr Schaffen als bildende Künstlerin in den Hintergrund. Seit einem Jahrzehnt hat sich das geändert:
Da von der mittlerweile 92-jährigen Lennon-Witwe keine weiteren Charttopper zu erwarten sind, wird nun ihr künstlerisches Œuvre remixed und neu präsentiert.
Den Anfang machten 2013 Frankfurt und Bilbao; es folgten im Laufe der Jahre große Werkschauen im Museum for Modern Art und in Tokio, Lyon, Leipzig und Oslo.
Vorläufiger Höhepunkt: die Retrospektive „Music of the Mind“; sie ist nach Stationen in der Londoner Tate Modern und im Düsseldorfer K20 jetzt im Berliner Gropius-Bau zu sehen.
Kunst+Film-Redaktion
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Yoko Ono und John Lennon, Bed-In for Peace, 1969, Amsterdam, Photograph by Ruud Hoff. Fotoquelle: © Nationalgalerie – Staatliche Museen zu Berlin
Yoko Ono: Half a Room, 1967, Installationsansicht, HALF-A-WIND SHOW, Lisson Gallery, London, 1967, Foto: © Clay Perry/ Yoko Ono. Fotoquelle: Martin-Gropius-Bau



