Gegen den Missstand von Kinder-Ehen in Kenia mobilisieren will "Nawi - Dear Future Me": Trotz bester Schulleistungen verschachert ein Vater seine Tochter an einen Fremden.
Erst wehrt sich die 14-Jährige, dann opfert sie sich - beides wirkt im Werk eines vierköpfigen Regie-Quartetts so konstruiert wie bei christlichen Heiligen-Legenden.
(Kinostart: 5.3.) Acht Kamele, 60 Schafe und 100 Ziegen: Diesen Brautpreis für eine 14-Jährige will ihr Vater erlösen. Erst sträubt sich die Musterschülerin, dann opfert sie sich.
Vier Regisseure legen ihr deutsch-kenianisches Gemeinschaftswerk arg didaktisch an – dem Hochglanz-Look mangelt es an Plausibilität.
Wie gewonnen, so zerronnen
Kaum hat das kenianische Mädchen Nawi (Michelle Lemuya Ikeny) erfahren, dass sie bei den Schul-Abschlusstests in ihrem Gebiet am besten abgeschnitten hat und bald auf ein Eilte-Gymnasium in der Hauptstadt Nairobi gehen darf – da macht ihr Vater Eree (Ochungo Benson) diesen Traum zunichte.
Indem er die 14-Jährige einem reichen Fremden namens Shadrack (Ben Tekee) zur Frau gibt, für eine ansehnliche Herde an Nutzvieh.
Über die genaue Zahl von Kamelen, Schafen und Ziegen feilschen beide Seiten ausgiebig – und veranschaulichen so die These des Ethnologen und Begründers des Strukturalismus, Claude Levi-Strauss, dass in traditionellen Gesellschaften Frauen gleichsam als Handelsgut dienen, um soziale und ökonomische Bande zu festigen.
Aus diesem Grund weiß Eree sich nicht anders zu helfen, als seine einzige Tochter gegen ein hohes Brautgeld abzugeben: Er hat Schulden, die er andernfalls nicht abzahlen könnte.
Kinderehen sind in Kenia illegal
Darum verlangt ihr Vater, Nawi müsse sich dem Familienwohl unterordnen. Doch sie sträubt sich – obwohl ihre drei „Mütter“, also die Ehefrauen des polygamen Patriarchen, ihm nolens volens zustimmen.
Selbst Nawis kleiner Bruder Joel (Joel Liwan) kann sie nur halbherzig unterstützen, sonst setzt es Hiebe.
Allein ihre Lehrerin setzt sich tatkräftig für Nawi ein und droht mit der Polizei, denn Kinderehen sind auch in Kenia illegal. Doch nichts hilft.
Kunst+Film-Redaktion
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Nawi (Michelle Lemuya Ikeny) wird gefeiert. Foto: © FilmCrew Media
Nawis Lehrerin an der High School. Foto: © FilmCrew Media
Nawis Vater Eree (Ochungo Benson) will Nawi gegen ihren Willen verheiraten. Foto: © FilmCrew Media



