Kurz darauf, aber 5000 Kilometer weiter südlich, erlebte Lygia Clark ihren Durchbruch als Künstlerin. Anfangs im "Neoconcretismo"; diese brasilianische Strömung wollte die geometrisch-abstrakte Kunst westlicher Prägung mit poetischen Elementen aufladen.
Dazu setzte Clark später auf interaktive Arbeiten - womit sie zu einer Pionierin der Performance-Kunst wurde.
In Europa lange übersehen, widmen ihr nun die Neue Nationalgalerie in Berlin und das Kunsthaus Zürich eine umfassende, so sinnliche wie attraktive Werkschau: "Lygia Clark – Retrospektive".
Von abstrakten Neoconcretismo-Bildern bis zur Steine- und Sandsack-Therapie: Die brasilianische Künstlerin legte einen weiten Weg zurück – und wurde damit zur Pionierin der Performancekunst.
Ihr vielgestaltiges Œuvre zeigen Neue Nationalgalerie und Kunsthaus in einer grandios inszenierten Werkschau.
Banaler geht es kaum:
Auf einer mit Luft gefüllten Plastiktüte liegt ein runder Stein in einer kleinen Mulde. Drückt man die Tüte vorsichtig zusammen, steigt der Stein nach oben.
Lässt man sie los, fällt der Stein zurück in die Mulde.
Ist das ein Kunstwerk? Heute mag einem das sensorische Objekt „Pedra e Ar“ („Stein und Luft“), mit dem Lygia Clark (1920-1988) den Prozess des Atmens darstellen wollte, allzu schlicht vorkommen.
Doch 1966 waren derartige Kunstwerke ein völliges Novum. Sie stellten eine radikale Erweiterung des Kunstbegriffs dar; an ihm hat die Brasilianerin eifrig mitgearbeitet und damit nachfolgende Künstlergenerationen inspiriert.
Mit so unterschiedlichen Werken, dass man sie auf den ersten Blick kaum derselben Künstlerin zuordnen würde.
Vorhänge unterteilen Werkphasen
Wie konsequent Lygia Clark ihr Anliegen durchdekliniert hat, immer wieder die Grenzen des Geläufigen zu sprengen, führt ihre erste Werkschau in Deutschland anschaulich vor Augen; anschließend wird sie im Kunsthaus Zürich gezeigt.
In einem wunderbar passenden Arrangement: Schwere dunkelgrüne Vorhänge unterteilen die obere Ausstellungshalle der Neuen Nationalgalerie in verschiedene Bereiche, die einzelnen Werkphasen entsprechen.
Kunst+Film-Redaktion
Copyright Publishing Company Heilwagen GmbH
Angersbachstraße 12
34127 Kassel, Deutschland/ Germany
Tel. +49 – 561 – 80 99 3
Fax. +49 – 561 – 89 83 47


Lygia Clark, Óculos, 1966, © Cultural Association “The World of Lygia Clark” / Foto: Eduardo Clark, 1973. Fotoquelle: © Neue Nationalgalerie - Stiftung Preußischer Kulturbesitz
Lygia Clark, 1960er-Jahre, © Eduardo Clark. Fotoquelle: © Neue Nationalgalerie - Stiftung Preußischer Kulturbesitz
Lygia Clark, Cabeça Coletiva, 1969, © Neue Nationalgalerie - Stiftung Preußischer Kulturbesitz / David von Becker



