Gesellschaft Freunde der Künste
Tätowierungen aus der Antike?

Etikettenschwindel - Eine Ausstellung hat zum Thema antike Tätowierungen nicht viel zu bieten

An der zeitgenössischen Lifestyle-Oberfläche bleibt hingegen "Tattoo - Antike, die unter die Haut geht".

Die Ausstellung im Museum August Kestner in Hannover hat zum Thema antike Tätowierungen nicht viel zu bieten, weil die wenigen Exponate nur vage erläutert werden - stattdessen breitet sie vor allem historische Postkarten mit Ganzkörper-Tätowierungen und heutige Tattoos mit antikisierenden Motiven aus.

Tätowierungen bei den alten Griechen und Römern – das wäre ein aktueller Lifestyle-Ansatz zur Vermittlung von Wissen über die Antike.

Doch eine Ausstellung im Museum August Kestner entpuppt sich weitgehend als Etikettenschwindel: Gezeigt werden vor allem Körperbilder um 1900 und heutige Tattoos.

Von einer Ausstellung über Tätowierungen und Antike, die von einem Antiken-Museum konzipiert worden ist, sollte man eigentlich erwarten, dass sie Tätowierungen in der Antike behandelt.

Diese Schau, die bis Februar im Antikenmuseum der Universität Leipzig zu sehen war und nun in veränderter Form im Hannoveraner Museum August Kestner gezeigt wird, präsentiert aber vor allem Antiken-Motive bei heutigen Tätowierungen.

In den Worten der Veranstalter: „Was passiert, wenn Motive aus längst vergangenen, antiken Gesellschaften auf einmal in den Hautbildern des 21. Jahrhunderts auftreten?

Dieser Frage widmet sich die Ausstellung.“ Ja, was passiert dann? Dann laufen eben Zeitgenossen mit Antike-Motiven am Leib herum.

Um das mitzubekommen, muss niemand in ein Museum gehen – es genügt, darauf zu achten, was Mitmenschen auf entblößten Körperteilen so alles zur Schau tragen.

Wenige aussagekräftige Exponate

Die Banalität ihrer Fragestellung scheint den Kuratoren nicht entgangen zu sein, denn sie greifen halbherzig auf Altertümliches zurück:

Die Ausstellung „nimmt zeitgenössische Tätowierungen von Bildmotiven aus dem antiken Mittelmeerraum in den Blick und widmet sich den antiken Tätowierpraktiken in Ägypten, Griechenland und Rom“.

Dass jene nur an zweiter Stelle stehen, könnte am Mangel aussagekräftiger Exponate liegen: Die Schau hat sehr wenig vorzuweisen.

Kunst+Film-Redaktion

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