Teilen und Herrschen im Sozialen Wohnungbau: Zwischen den Betontürmen der Pariser Banlieue ist Regisseur Ladj Ly in seinem Element.
Zwar ist seine Wut über die Entrechtung ihrer Bewohner eindrucksvoll, doch dieses Drama krankt an holzschnittartigen Figuren und plakativer Handlung.
Ein Hochhaus steht neben dem nächsten. Dazwischen bieten unwirtliche Freiflächen kaum Luft zum Atmen; dicht an dicht parken dort Autos.
Aus der Vogelperspektive blickt die Kamera auf heruntergekommene Sozialbauten in Montfermeil, einem Vorort von Paris.
Die Topographie der ersten Bilder von „Die Unerwünschten – Les Indésirables“ vermittelt ganz konkret: Das ist Architektur, die Menschen erschlagen kann.
Dieser Siedlung widmet Regisseur Ladj Ly, Franzose mit Wurzeln im westafrikanischen Mali, bereits seinen zweiten Spielfilm. Wie der vielfach prämierte und weitaus subtilere Vorläufer
„Die Wütenden – Les Misérables“ (2019) ist auch Lys neuer Film ein Sozialdrama im Gewand eines Thrillers.
Schon in seinem dokumentarischen Debüt „365 Tage in Clichy-Montfermeil“ (2007), einer Zusammenarbeit mit einem Künstlerkollektiv, beschäftigte sich Ly mit dem Vorort, in dem er aufwuchs, und den Unruhen, die ihn 2005 erschüttert haben.
Zweiter Spielfilm überzeugt nicht
Dass der Regisseur das Leben in der Banlieue gut kennt, ist jeder Einstellung anzumerken.
Und doch überzeugt das Ergebnis diesmal nicht: zu holzschnittartig die Figurenzeichnung, zu manichäisch die Konflikte.
Die besten Momente des Dramas sind die, in denen der didaktische Impetus etwas zurückgefahren wird und dokumentarische Qualitäten in den Vordergrund treten.
Ihre Kunst+Film-Redaktion


Pierre Forges (Alexis Manenti) wird vorübergehend zum Bürgermeister ernannt. Foto: Film Kino Text



