Gesellschaft Freunde der Künste
Mit Vernunft und Gefühl

Die Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen, in "Sinn und Sinnlichkeit"

"Sense and Sensibility" (1811) von Jane Austen ist ein unverwüstlicher Klassiker – weil die geschilderten Herzenskonflikte zwischen Verstand und Gefühl absolut zeitlos sind.

Nun bringt Regisseurin Georgia Oakley den Roman über zwei Schwestern und ihre Verehrer unter dem Titel "Sinn und Sinnlichkeit" neu auf die Leinwand: als exzellent inszenierten und ausgestatteten Historienfilm, der dank schwungvoller Regie und zweier fabelhaften Hauptdarstellerinnen ganz gegenwärtig wirkt.

So sollen Literaturverfilmungen aussehen

Mit Vernunft und Gefühl: Beides ist nötig fürs Liebesglück, was Jane Austen 1811 veranschaulichte. Ihren Romanklassiker hat Regisseurin Georgia Oakley neu verfilmt: als erstklassig inszeniertes Historien-Psychodrama mit tollen Schauspielerinnen ohne oberflächliche Aktualisierung.

Die Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen: Eigentlich ist das Thema des Romanklassikers „Sense and Sensibility“, den Jane Austen 1811 veröffentlichte, gottlob veraltet.

Zumindest in Westeuropa hängt das Wohlergehen keiner Frau mehr davon ab, ob sie eine gute Partie ergattert und von ihr versorgt wird. Andererseits ist das Sujet absolut zeitlos:

Soll man sich für seinen Ehepartner aus Vernunftgründen oder Liebe entscheiden? Und was tun, wenn beides einander widerstreitet?

Der Filmtitel „Sinn und Sinnlichkeit“ wiederholt zwar lautmalerisch den Stabreim des englischen Originals, führt aber inhaltlich etwas in die Irre.

Deswegen tragen die meisten deutschen Übersetzungen den Titel „Vernunft/ Verstand und Gefühl“; das trifft die Sache besser.

Anders als viele halb vergessenen Literaturklassiker werden die Romane von Austen immer noch gern gelesen, in Großbritannien wie andernorts. Das dürfte ein Grund sein, warum sie häufig verfilmt werden.

Subtil weibliche Gemütslagen nachzeichnen

„Sense and Sensibility“ ist bereits sechs Mal fürs Kino oder TV adaptiert worden.

Die Version des taiwanesischen Regisseurs Ang Lee mit Emma Thompson und Kate Winslet in den Hauptrollen gewann 1996 einen Oscar für das beste adaptierte Drehbuch.

Da liegt die Latte für die britische Regisseurin Georgia Oakley recht hoch.

Allerdings hat sie 2022 in ihrem Spielfilmdebüt „Blue Jean“ über eine lesbische Lehrerin in den 1980er Jahren bewiesen, wie subtil sie weibliche Gemütslagen nachzeichnen kann.

Das meistert sie auch in „Sinn und Sinnlichkeit“ mit Bravour.

Kunst+Film-Redaktion

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SINN UND SINNLICHKEIT | Offizieller Trailer deutsch/german HD