Gesellschaft Freunde der Künste
Im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg

Die erste Einzelausstellung des ghanaischen Keramikkünstlers Kobina Adusah in der Reihe „Contemporary Craft"

Ab 27. November 2026 präsentiert das MK&G die erste Einzelausstellung des ghanaischen Keramikkünstlers Kobina Adusah in der Reihe „Contemporary Craft".

Adusah, der 2025 für den Loewe Foundation Craft Prize nominiert war, verbindet in seinen Arbeiten traditionelle Techniken mit einer zeitgenössischen Formensprache. 

 Mit „Contemporary Craft: Kobina Adusah" zeigt das Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg (MK&G) vom 27. November 2026 bis zum 25. April 2027 die erste museale Einzelausstellung des ghanaischen Keramikkünstlers Kobina Adusah (* 1999, Sekondi, Ghana).

Zugleich ist es seine erste Einzelausstellung in Deutschland. Im Mittelpunkt steht eine neue Werkserie, an der Adusah derzeit arbeitet. Internationale Bekanntheit erlangte er 2025 mit seiner Nominierung für den renommierten Loewe Foundation Craft Prize. 

Adusah schafft monumentale Gefäße aus zumeist unglasiertem, erdbelassenem Ton. Er baut seine Objekte Schicht für Schicht aus Tonplatten auf, die er biegt und zu großformatigen Volumen zusammenfügt.

Diesen Prozess beschreibt er als Dialog mit dem Material. Ton ist für Adusah mehr als ein Werkstoff: Als Material der Erde wird er zum Träger von Berührung und Erinnerung.

Seine Arbeiten gehen von der Vorstellung aus, dass jeder Mensch Spuren hinterlässt, die sich in die Erde einschreiben.

Die Gefäße werden so zu Behältnissen für das Unsichtbare und zu Orten des Erinnerns. 

Die Oberflächen der Gefäße überzieht ein dichtes, von ihm erfundenes Zeichensystem. Die Zeichen wirken wie eine Schrift, weisen eine eigene rhythmische Struktur und Logik auf, lassen sich jedoch nicht entschlüsseln.

Die Schnitzmuster gehen auf eine persönliche Erfahrung zurück:

Als Kind half Adusah seiner Mutter, einer Schneiderin, beim Annähen von Knöpfen. Die wiederholende, meditative Bewegung des Nähens hat er in seine Arbeit übertragen. 

Kobina Adusah: „In der neuen Werkgruppe kehre ich über den Ton zu meiner Erinnerung zurück.

Jede dieser Markierungen auf der Oberfläche wird zur Spur eines gemeinsam erlebten Moments, zu einer Möglichkeit, etwas aus den Händen meiner Mutter in meine eigenen Hände zu übertragen.

Ich verstehe die Ausstellung als eine Ausgrabung solcher Spuren: Die Arbeiten begegnen uns wie Fragmente von Erinnerungen, Anwesenheit und Abwesenheit." 

Als Inspirationsquellen nennt Adusah darüber hinaus auch moderne Architektur und Infrastruktur sowie griechische Amphoren – Werktitel wie „Volute Krater", „The Loutrophorus" oder „The Calathus" verweisen direkt auf antike Gefäßtypen.

Zugleich versteht Adusah seine Praxis als Auseinandersetzung mit den fortwirkenden Folgen einer westlichen Moderne.

Dr. Stephanie Regenbrecht, Kuratorin: „Man sieht Erde, Spuren, rätselhafte Zeichen und will sofort etwas hineinlesen, etwas aus einem Repertoire, das man längst nicht mehr hinterfragt. Aber diese Zeichen sind nicht alt, sie folgen ihrem eigenen Rhythmus.

Die Gefäße stehen da, stumm und fremd, als kämen sie zugleich aus ferner Vergangenheit und aus der Zukunft. Damit entlarvt Kobina Adusah uns.

Er ist ein radikal zeitgenössischer Künstler, der mit den ältesten Mitteln arbeitet, die das Menschsein ausmachen: Erde, Hand, Zeit."

Die Ausstellungsgestaltung greift die rätselhafte Wirkung seiner Arbeiten auf und inszeniert den Raum als Ausgrabungsstätte der Zukunft. Auf einem großen, beleuchteten Labortisch sind zahlreiche Objekte versammelt. Verschiedene Filmsequenzen veranschaulichen, wie die Objekte in Adusahs Atelier in Kumasi entstehen. Entwickelt wurde die Ausstellung über Kontinente hinweg: mit dem Künstler in Kumasi und der Gallery Fumi in London.

KOBINA ADUSAH 
Kobina Adusah kam eher zufällig zur Keramik: An der Kwame Nkrumah University of Science and Technology (KNUST) in Kumasi, Ghana, hatte er sich für Grafikdesign beworben, wurde aber dem Fachbereich Keramik zugeteilt.

Nach seinem Abschluss 2023 arbeitete er dort als Lehrassistent. Derzeit studiert er an der KNUST im Masterstudiengang Keramik (Master of Fine Arts). Adusah lebt und arbeitet in Kumasi. 

2025 wurde Adusahs Arbeit „I Still Face You" in der Ausstellung der für den Loewe Foundation Craft Prize nominierten Positionen im Museo Nacional Thyssen-Bornemisza in Madrid gezeigt.

Zudem waren seine Arbeiten unter anderem in Kumasi, München, New York und im Palais de Lomé, Togo, zu sehen.

Im September 2026 war Kobina Adusah auf der bekannten Homo Faber Biennale für internationales Kunsthandwerk in Venedig vertreten. 

CONTEMPORARY CRAFT
Als fünfte Ausstellung der 2022 initiierten Reihe „Contemporary Craft" erweitert das MK&G den Blick auf internationales zeitgenössisches Kunsthandwerk.

Nach Einzelausstellungen mit etablierten Positionen wie Young-Jae Lee, Margit Jäschke, Hanne Friis und Ernst Gamperl stellt die Reihe mit Kobina Adusah erstmals einen Künstler der jungen Generation vor.

Zugleich steht eine künstlerische Position im Mittelpunkt, deren Praxis in Ghana verankert ist und sich in einem internationalen Ausstellungskontext entwickelt.

Damit öffnet sich die Reihe geografisch und rückt die globalen Rahmenbedingungen in den Blick, unter denen Kunsthandwerk heute produziert, vermittelt und ausgestellt wird.

Die Ausstellung wird gefördert vom MK&G Freundeskreis, der Justus Brinckmann Gesellschaft und der Hans Brökel Stiftung für Wissenschaft und Kultur.

Eröffnung: Donnerstag, 26. November 2026 um 19 Uhr