„Kunst ist wie das Wasser der Philosophen immer real und ideal zugleich.“ Prof. Dr. Martin Booms, Professor für Philosophie
„Alles Leben auf dem Planeten ist einmal dem Wasser der Ozeane entsprungen, und noch das individuelle menschliche Leben gedeiht im fruchtbaren Wasser des Mutterleibs.
Diese elementare Ursprünglichkeit des Wassers zeigt sich aber nicht nur im Biologischen. Das Wasser spielt auch eine wesentliche kulturelle Rolle in den Initiationsriten religiöser Art, etwa im Akt der christlichen Taufe.“
Mit einer höchst kenntnisreichen Rede eröffnete Dr. Martin Boom, Professor für Philosophie, vor mehr als 150 Gästen die Ausstellung „Gezeiten“ der Künstlerin Ulrika Eller-Rüter in der Namen-Jesu-Kirche in Bonn, in der sich, so der Professor, alles um das lebensspendende Element dreht.
Schließlich sei auch die Philosophie ursprünglich geboren aus dem Geist des Wassers. Schon Thales, einer der Vorsokratiker, begründet die Philosophie als Metaphysik des Wassers.
Pfarrer Michael Kehren wies in der folgenden Ansprache auf die Ambivalenz des Wassers hin: „Wasser ist Erbauerin von Zivilisationen und Kulturen. Wasser ist Umwälzer von Landschaften und zerstörerische Kraft.“
Mit ihrer Ausstellung „Gezeiten“ nutzt die Künstlerin Ulrika Eller-Rüter das Motiv des Wassers und demonstriert die Vielschichtigkeit der Bedeutung und Seinsweise des Wassers:
Wie Ebbe und Flut jeweils prozesshaft sind, zeigen die dargestellten Werke Veränderung und nuancierte Farbunterschiede, die der Bewegung des Wassers folgen.
Mit großformatigen Papierarbeiten, Salz- und Farbobjekten sowie einer Teich-Installation macht die Ausstellung elementare und ästhetische Dimensionen der „Gezeiten“ erfahrbar.
Naturprozesse treffen auf religiöse Symbolik
Unmittelbar vor dem Altar hat Ulrika Eller-Rüter einen künstlichen Teich installiert, gefüllt mit grünem Wasser und von echten Pflanzen umsäumt.
So schafft die Künstlerin einen Spannungsbogen vom Weihwasserbecken im Eingangsbereich mit dem christlich „ritualisierten“, heiligen Wasser hin zu dem interreligiösen grünen Wasserbecken im Altarbereich.
Mit der Zeit verdunstet das Wasser des künstlichen Teichs und lässt Salzkristalle zurück, während die Pflanzen ringsum weiter wachsen und gedeihen.
"In der Teich-Installation findet sich die Vorstellung des ewigen Kreislaufes, des Werdens und des Vergehens wieder“, sagt Jenny Geißler-Bentler von der Galerie Geißler Bentler, die die Ausstellung kuratiert.
Galerist Bernd Bentler ergänzt: „Während das Wasser verdunstet und immer weniger wird, werden die Gräser wachsen und gedeihen. Wasser, Erde und Luft verwandeln sich in wachsendes Leben, während die Gezeiten an den Ufern des Meeres ihr ewiges Lied singen.“
Stetiger Wandel zeigt sich auch in den großformatigen, in Tusche getränkten und mit Substraten versetzten Papierbahnen, die die vertikale Architektur des Kirchenraums aufgreifen.
Auch hier sind die Arbeiten durch die Zeit permanenten Veränderungen ausgesetzt: In einem natürlichen Prozess reagieren Flüssigkeit, Pigmente und Papier miteinander, verändern sich.
So ist Zeit nicht nur Thema der Ausstellung, sondern aktive Mitgestalterin.
Parallel zur Ausstellung in der Namen-Jesu-Kirche zeigt die Galerie Geißler Bentler in ihren Räumlichkeiten in der Friedrichstraße 55, 53111 Bonn, weitere Werke von Ulrika Eller-Rüter.
Öffnungszeiten der Galerie: Dienstag bis Freitag 11.00 Uhr bis 18.00 Uhr, Samstag 11.00 Uhr bis 18.00 Uhr
Die Ausstellung in der Namen-Jesu-Kirche, Bonngasse 8, läuft bis zum 5. November 2026 und kann zu den regulären Öffnungszeiten der Kirche besucht werden:
Di bis Mi: 11:30 – 14:30 Uhr, Do bis Sa: 11:30 – 17:30 Uhr, Sonntag: 11:30 – 17:30 Uhr, montags geschlossen


Ein Teich vor dem Altar
Papierarbeiten
v.l.n.r.: Jenny Geißler-Bentler, Ulrika Eller-Rüter und Bernd Bentler



