Gesellschaft Freunde der Künste
Bierernst und besserwisserisch aufzutreten

Die Berlin Biennale hat ihre Rolle im Kunstbetrieb bis heute nicht gefunden

Dagegen hat die Berlin Biennale ihre Rolle im Kunstbetrieb bis heute nicht gefunden. Auch die 13. Ausgabe schlingert zwischen dem Anspruch, brandaktuelle engagierte Gegenwartskunst zu präsentieren, und dem Versuch, dabei nicht allzu bierernst und besserwisserisch aufzutreten, recht haltlos hin und her.

Zumindest mit ihren Einblicken in Protest-Kunst aus Südasien, vor allem Myanmar, bietet die "13. Berlin Biennale für zeitgenössische Kunst – das flüchtige weitergeben" an vier Standorten in der Innenstadt etwas Neues.

Südasien-Sonderschau mit Schwerpunkt Myanmar:

Die Berlin Biennale will diesmal so leichtfüßig, wendig und listig auftreten wie Füchse, doch das gelingt ihr kaum – wie gewohnt überwiegen bierernste Materialschlachten.

Da hilft nur: Gewünschte Gegenwartskunst künftig selbst bestellen und bezahlen.

Die Berlin Biennale hat es nicht leicht. In den 27 Jahren ihres Bestehens ist es ihr nie geglückt, sich als maßgebliches Forum des Kunstbetriebs zu etablieren, das die Coolness des Standorts mit einem Sinn für wegweisend Neues verbindet.

Und die geistige Lage der Zeit in einem Motto bündelt, dessen Facetten eine tour d’horizon durch die aktuelle Kunstproduktion aufschlüsselt.

Wie es den beiden großen mitteleuropäischen Vorbildern – der Biennale in Venedig und der documenta in Kassel – trotz Formschwankungen doch meist gelingt.

Dagegen schlingert die Berlin Biennale seit ihren Anfängen zwischen verschiedenen Konzepten hin und her.

Nun ist Berlin nicht mehr sexy, aber immer noch arm, so dass sich auch die seit 2004 von der Kulturstiftung des Bundes geförderte Biennale bescheiden muss. Zählten zu den Ausstellungsorten früher die premium locations Gropiusbau und Akademie der Künste, wird nun ein ehemaliges Gerichtsgebäude genutzt.

Die einst im Stadtbild omnipräsenten Reklameplakate sind verschwunden. Kurze Werbespots, die in Programmkinos laufen, wirken hektisch und planlos zusammengeschnitten.

Und das Medienecho bleibt überschaubar.

Hälfte der Exponate älter als 10 Jahre

Aus dieser verringerten Sicht- und Wirksamkeit will Kuratorin Zasha Colah eine Tugend machen: mit engagierter Kunst, die sich aber nicht festnageln lässt, sondern irgendwie wendig und ungreifbar bleibt.

So sei der Titel „das flüchtige weitergeben“ zu verstehen: „Flüchtige Inhalte werden weitergegeben, das Publikum empfängt diese kulturellen Beweisstücke.

Nun sind die Besucher*innen aufgerufen, selbst flüchtig zu werden – mit diesen Beweisstücken zu verschwinden, sie weiterzugeben oder verborgen zu halten, bis sie übertragbar und sagbar sind.“

Kunst+Film-Redaktion

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