Gesellschaft Freunde der Künste
Provenienzen der Sammlung Ulla und Heiner Pietzsch

Das dichte Beziehungsgeflecht dieser Kunstströmung - Max Ernst bis Dorothea Tanning: Netzwerke des Surrealismus

Sehr ausgewogen und facettenreich dokumentiert hingegen die Ausstellung "Max Ernst bis Dorothea Tanning: Netzwerke des Surrealismus" das dichte Beziehungsgeflecht dieser Kunstströmung, deren Entstehung sich 2024 zum hundersten Mal jährte.

Anhand von 26 Exponaten wird zudem vorgeführt, was Provenienzforschung vermag - bis Ende Februar in der Neuen Nationalgalerie, Berlin.

Klein, aber fein: Der Geburtstagsgruß der Neuen Nationalgalerie zum 100. Jahrestag des surrealistischen Manifests bietet nur 26 Exponate auf.

Doch die werden blendend präsentiert: als Beispiele für das dichte Beziehungsgeflecht der Künstler untereinander – fast jedes Werk trägt Zeichen seines Werdegangs.

Nicht nur Menschen können schillernde Biografien haben, sondern auch Kunstwerke. Zum Beispiel das Gemälde „Düsterer Wald und Vogel“ von Max Ernst:

1927 stellte es der belgische Kunstsammler Paul-Gustave van Hecke in seiner Galerie „L’Epoque“ in Brüssel aus. Dann ging es an den Künstler E. L. T. Mesens, der es später als Direktor der „London Gallery“ mit nach Großbritannien nahm.

Nachdem das Werk dort mehrfach den Besitzer gewechselt hatte, gelangte es über die Fondation Beyeler in Basel, das Indiana University Art Museum in Bloomington, die Pariser The Roc Group und weitere Stationen in der Schweiz schließlich um 2006 in die Sammlung Ulla und Heiner Pietzsch.

Allein dieser Werdegang könnte den Stoff für einen Roman abgeben. Man sieht:

Die Provenienzforschung, die seit 2023 mehr als 100 Werke der Kollektion untersucht hat, um sicherzustellen, dass es sich bei ihnen nicht um Raubkunst handelt, hat ganze Arbeit geleistet.

Wald als hermetischer Block

Mindestens genauso spannend ist das Motiv des Gemäldes – was es über Max Ernst und den Surrealismus zu berichten weiß.

Im Zentrum steht der titelgebende „Düstere Wald“: ein hermetischer Block aus vertikalen Streifen in Grün- und Brauntönen, aus dem ein abgestürzter Vogel herausblickt.

Der erratische Wald symbolisiert ein Grundthema des Surrealismus: das Unterbewusste, dessen kreatives Potenzial Ernst und seine Mitstreiter sich zunutze machen wollten.

Und hier eine Besprechung der Ausstellung "Fotogaga: Max Ernst und die Fotografie" – facettenreiche Surrealismus-Schau im Berliner Museum für Fotografie

Kunst+Film-Redaktion

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