Gesellschaft Freunde der Künste
Aufgeräumt statt chaotisch

Blutleer - Paula Beer und Albrecht Schuch in "Stiller" können nicht überzeugen

Nicht ganz so populär, aber hoch angesehen ist "Stiller": Der Roman von 1954 machte seinen Autor Max Frisch berühmt. Er beschreibt die Rückkehr eines möglichen Mörders in die Schweiz als vielschichtige Identitätssuche aus verschiedenen Perspektiven.

Diese Komplexität vereinfacht Regisseur Stefan Haupt zur linearen Krimi-Handlung - mit Paula Beer + Albrecht Schuch in den Hauptrollen.

(Kinostart: 30.10.) Aufgeräumt statt chaotisch, Kälte anstelle von Erschütterung: Regisseur Stefan Haupt verfilmt ein Hauptwerk von Max Frisch präzise, aber blutleer.

Das komplexe Stimmengewirr des Romans wird zur linear ablaufenden Handlung, der auch prägnante Hauptdarsteller wenig Leben einhauchen.

Ein Zug fährt durch die Schweizer Landschaft. Im dämmrig beleuchteten Waggon blickt ein Mann mittleren Alters (Albrecht Schuch) aus dem Fenster.

Seine Miene bleibt starr, als der Schaffner sein Ticket kontrolliert.

Wenig später erklärt ihm ein Polizist in einem fensterlosen Raum, dass ein Zugpassagier ihn als Anatol Stiller erkannt habe – einen Künstler aus Zürich, der vor sieben Jahren spurlos verschwand und seitdem polizeilich gesucht wird.

Er wird eines Mordes beschuldigt. Der Mann antwortet dem Beamten: „Ich bin nicht Stiller. Ich bin James Larkin White, US-amerikanischer Staatsbürger.“

Die Kamera zeigt in Nahaufnahme Augen, die misstrauisch wirken; als würde er seiner eigenen Behauptung nicht recht trauen.

Nach einigen Wochen in Untersuchungshaft holt James’ Rechtsanwalt (Stefan Kurt) Stillers Ex-Frau Julika (Paula Beer) aus Paris nach Zürich.

Die erfolgreiche Choreografin erkennt in ihm ihren verschollenen Ehemann. Trotz einer neuen Narbe an seinem Ohr ist sie sicher; wie auch der Staatsanwalt Rolf (Max Simonischek).

Er macht mit dem Beschuldigten Ausflüge zu Stillers alten Freunden oder seinem Atelier, um ihn zu überführen.

Vielstimmiger Bericht

Regisseur Stefan Haupt hat den 1954 publizierten Roman von Max Frisch verfilmt; das Buch wurde ein großer Erfolg und machte den Autor berühmt.

Er erzählt anfangs mithilfe von Haft-Aufzeichnungen, später aus der Perspektive des Staatsanwalts – ein Geflecht aus Stimmen, in dem Erinnerung, Projektion und Selbstbehauptung sich ständig überlappen. Gerade die bewusst unzuverlässige Schilderung macht den Bericht eindruckvoll:

So scheinen Stiller und White manche Tatsachen-Behauptungen zu teilen, während sich andere widersprechen. Bisher galt es als unmöglich, diese vielschichtige Textlogik in Film zu übertragen.

Haupt hat es gewagt – und es ist ihm fast gelungen.

Kunst+Film-Redaktion

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