Im Dritten Reich stand "Nürnberg" für die Stadt der Reichsparteitage, danach für den Ort der NS-Kriegsverbrecherprozesse - sie sollten der Welt vor Augen führen, wie monströs die Untaten des Nazi-Regimes gewesen waren.
Regisseur James Vanderbilt nutzt den Ortsnamen für ein Zwei-Personen-Drama: 1945 soll ein US-Psychiater Hermann Göring (gespielt von Russell Crowe) untersuchen.
Doch weder kommen die Rede-Duelle der Kontrahenten auf den Punkt, noch wird die historische Dimension des Geschehens deutlich.
(Kinostart: 7.5.) Banalität des Bösen: Vor dem Hintergrund des NS-Kriegsverbrecherprozesses inszeniert Regisseur James Vanderbilt ein Rede-Duell zwischen einem Militär-Psychiater und der inhaftierten Nazi-Größe Hermann Göring.
Als Geschichtslektion überzeugt sein Film ebenso wenig wie als Thriller.
„Wir werden Freunde sein“, versichert Hermann Göring (Russel Crowe) dem Mann, der ihn gerade zum ersten Mal in der Haft besucht. Dr. Douglas M. Kelley (Rami Malek) zeigt sich geschmeichelt, aber er ist auf der Hut.
Der US-amerikanische Armee-Psychiater – der erst mit dem bekannten Gefängnis-Psychologen Gustave M. Gilbert zusammenarbeitete und später mit ihm brach – wurde ins luxemburgische Bad Mondorf beordert.
Dort muss er für die Alliierten die Verhandlungsfähigkeit der Hauptkriegsverbrecher untersuchen, die ab November 1945 in Nürnberg vor Gericht gestellt werden sollen.
Göring, der sich einen Tag vor Kriegsende der US-Armee stellte, gilt in dem Verfahren als der mit Abstand prominenteste und gefährlichste Mann:
Im Hitler-Regime war er als „Reichsmarschall“ Oberbefehlshaber der Luftwaffe und derjenige, der 1941 Reinhard Heydrich den Befehl gab, die „Endlösung der Judenfrage“ zu organisieren.
Hinter seiner massigen Statur verbirgt sich ein hochintelligenter Stratege und Manipulator.
Görings raffinierte Taktik
Als der NS-Funktionär nach der Kapitulation des Deutschen Reiches auf Kelley trifft, begegnet er seinem Gegenüber jovial, kooperativ und mit Respekt.
Görings Taktik besteht in dem raffinierten Einsatz seines Charmes und Charismas. Russel Crowe beherrscht den Balanceakt: ein bisschen etwas von sich preisgeben, aber nur so viel, dass ein Rest von Überlegenheit und Geheimnis bleibt.
Kunst+Film-Redaktion
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Die verbliebenen NS-Hauptkriegsverbrecher stehen in Nürnberg vor Gericht, darunter Hermann Göring (Russell Crowe, links unten) und Rudolf Heß (Andreas Pietschmann, daneben). © Courtesy of Sony Pictures Classics, Foto: Scott Garfield
Elsie Douglas (Wrenn Schmidt) unterstützt Robert H. Jackson (Michael Shannon) in Vorbereitung auf die anstehenden Verhandlungen. © Courtesy of Sony Pictures Classics, Foto: Scott Garfield
Der Jurist Sir David Maxwell-Fyfe (Richard E. Grant) mit dem US-Chefankläger der Nürnberger Prozesse Robert H. Jackson (Michael Shannon) und Militärpsychiater Douglas M. Kelley (Rami Malek). © Courtesy of Sony Pictures Classics, Foto: Scott Garfield



