Gesellschaft Freunde der Künste

Nachrichten und Veranstaltungen in unserem Archiv

Sexismus in Agenturen

Übersensibilität, Reizbarkeit, Liebe und Hass

Rolf Schröter, Mitglied der Chefredaktion bei W&V, macht sich zum Wochenende schwere Gedanken.

Lieber Herr Böhmer,

unsere Branche debattiert aufgeregt über Sexismus in Agenturen, Hassrede im Netz und pietätlose Werbung in Madrid.

Wir sind so sensibel geworden. Vielleicht übersensibel?

Unser Umgang miteinander ist so freundlich und nahbar wie nie. Floskeln wie „Sehr geehrte(r)...“ sind längst verschwunden. Oft steht da mittlerweile „Liebe(r)…“ Und Mails enden oft mit „Herzlichen Grüßen“.

Dieser liebevolle Umgang im digitalen Miteinander wird konterkariert durch die physische Realität:

Straßenverkehr ist Nahkampf, der Umgangston hässlich. Fußgänger, Radfahrer, Autofahrer beleidigen einander wegen Kleinigkeiten. Freundlichkeit oder einfach nur höfliche Rücksichtnahme sind selten geworden. Wir sind so reizbar.

Übersensibilität und Reizbarkeit. Liebe und Hass. Unsere Gefühle polarisieren. Die Gesellschaft ist schizophren.

Ich wünsche mir heitere Gelassenheit. Und uns allen ein entsprechendes Wochenende.

Ihr Rolf Schröter