Gesellschaft Freunde der Künste

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Deutschland steht still

Seit der Coronavirus das Kommando übernommen hat steht einiges still

Zuerst beginne ich heute mit einem Satz von Gabor Steingart: "Die Menschen leben lieber klimatisch erhitzt als gar nicht. Besser eine teure Wohnung, als eine von der Krankenkasse finanzierte Intensivstation. Das Lästern über verspätete Züge und das löchrige Funknetz wirken wie die Erinnerung an die gute alte Zeit".

Derweil trudelt in der GFDK-Redaktion eine Absage nach der anderen ein. Der „Heidelberger Frühling“ 2020 findet nicht statt. Hamburg macht dicht: Die Behörde für Kultur und Medien hat sich mit den staatlichen Theatern und Konzerthäusern sowie mit Kampnagel verständigt, den Spielbetrieb in allen ihren Spielstätten ab Inkrafttreten der Allgemeinverfügung einzustellen.

Dies betrifft alle Veranstaltungen in der Elbphilharmonie, der Laeiszhalle, der Hamburgischen Staatsoper, dem Deutschen Schauspielhaus, dem Thalia Theater und Kampnagel.

Die Theater und Philharmonie Essen (TUP) sagt mit sofortiger Wirkung alle Eigenveranstaltungen in ihren Spielstätten Aalto-Theater, Philharmonie Essen, Grillo-Theater sowie Casa und Box bis auf Weiteres ab. Auch das Museum Folkwang sagte alle Veranstaltungen bis auf Weiteres ab, und die Art Cologne wurde auf November verschoben.

Bedauerlicherweise sind auch die geplanten Tournee-Termine von DITA VON TEESE am 04. und 05. April 2020 im Musical Dome Köln von den aktuellsten Veranstaltungsverboten der lokalen Gesundheitsbehörden betroffen. Aber die Menschen bestellen mehr Pornos. Am 8. März 2020 verzeichnete der Anbieter erotik.com höhere Umsätze als am sonst umsatzstärksten Tag des Jahres, dem Black Friday. Die höchte Einzelbestellung lag bei 6700.00 Euro. Ich sage mal so: Einer muß ja von Corona profitieren.

Holger Schellkopf, Chefredakteur Bei W&V,

Lieber Herr Böhmer,

Verantwortung übernehmen. Klingt gut, ist auch leicht gesagt - wenn es wirklich darauf ankommt, aber nicht gerade leicht gemacht. Seit der Coronavirus das Kommando übernommen hat, zeigt sich das so deutlich wie selten zuvor.

Während mancherorts noch immer so getan wird, als wäre alles halb so wild, übernehmen an anderer Stelle Menschen echte Verantwortung. Auch wenn es weh tut. Philipp Westermeyer hat Verantwortung übernommen und heute das OMR-Festival abgesagt.

Obwohl es vielleicht eine Chance gegeben hätte, dass sich bis zum Termin im Mai die Lage wieder beruhigt. Obwohl die Absage einen ganz empfindlichen Knick in der bisher unaufhaltsam scheinenden OMR-Erfolgsgeschichte bedeutet.

Eher folgerichtig erscheint da, dass sich auch der ADC entschlossen hat, sein Festival in der bisherigen Form aufzulösen und in eine Online-Variante plus Gala zum späteren Zeitpunkt zu verwandeln.

Überhaupt: wenn es denn schon etwas Gutes an diesem Ausnahmezustand namens Covid-19 gibt, dann das die Not eben auch erfinderisch macht.

An vielen Stellen findet jetzt lange aufgeschobene Digitalisierung statt, entsteht Innovation, werden neue Formen der Zusammenarbeit mal konsequent am lebenden Objekt durchgetestet - und siehe da: es funktioniert.

Am Rande: auch wir bei W&V arbeiten aktuell weitestgehend im Home Office (das hier mal wirklich seinen Namen verdient).

Wir tun das nicht, weil wir es müssten. Wir tun das, weil es mit Verantwortung zu tun hat. Auch und gerade gegenüber den Menschen, die hier arbeiten.

Unter dem sehr prägnanten Hashtag #Staythefuckhome gibt es inzwischen eine regelrechte Bewegung, die sich aus guten Gründen genau für diese Vorgehensweise stark macht.

Apropos Verantwortung: wie das Gegenteil davon aussieht, demonstriert aktuell einmal mehr Xavier Naidoo. Der Sänger und inzwischen ehemalige DSDS-Jurorhat in einem Video eine weitere Geschmacksprobe seiner wirren Gedanken zum Besten gegeben - und wie schon so oft fühlt er sich jetzt mal wieder falsch interpretiert und überhaupt sei das alles ja nicht so gemeint.

Wenigstens hat RTL jetzt Verantwortung übernommen und Herrn Naidoo zumindest bei der DSDS-Jury aus dem Verkehr gezogen.

Das Wichtigste zum Schluss: Bleiben Sie gesund.

Ihr Holger Schellkopf