Der Playboy ist unter den Print-Magazinen weltweit das erste Opfer des Coronavirus. Das Männermagazin, das Ende 1953 von Hugh Hefner gegründet wurde, gab in den USA bekannt, dass die wirtschaftlichen Turbulenzen durch das Coronavirus für die schon jetzt stark unter Druck stehenden Print-Aktivitäten nicht mehr tragbar waren, meldet WWD.com.
Rolf Schröter, Mitglied der Chefredaktion bei W&V, macht sich Sorgen wegen der Desinformation in Zeiten von Corona.
Lieber Herr Böhmer,
das größte Problem – abgesehen vom Virus selbst – ist derzeit wohl die Desinformation.
Menschen die hamstern, Menschen, die sich nach wie vor in Gruppen treffen, Menschen die Angst haben, Geld anzufassen – all diese Menschen sind meist nicht böse. Sondern einfach nur schlecht oder falsch informiert.
Desinformation führt zu Verhaltensweisen, die bestenfalls kurios und schlimmstenfalls asozial sind. Desinformation spaltet die Gesellschaft. Sie zerstört Einheit und führt zu feindlichen Lagern.
Plötzlich hört und liest man häufiger den Begriff „seriöse Medien“. Wie gut, dass es den öffentlich-rechtlichen Rundfunk gibt. Wie gut, dass es Medienmarken wie FAZ, Süddeutsche Zeitung und Spiegel gibt. Das sind Orientierungsmarken, die aufklären und Verständnis schaffen.
Das Bundesverfassungsgericht spricht nicht nur bei Strom und Gas, sondern auch im Informationsbereich von einer Grundversorgung. Diese Grundversorgung ist gerade heute so unschätzbar wichtig, weil wir gezwungen sind,
vorübergehend physisch isoliert zu leben. Wir sind voneinander getrennt, aber miteinander vernetzt. Unser Austausch muss aufrichtig, solidarisch und verantwortungsvoll sein.
Klaas Heufer-Umlauf wird der Preis der „Journalistinnen und Journalisten des Jahres“ aberkannt. Er hatte mit einem Fake-Bericht die Zuschauerinnen und Zuschauer getäuscht.
Ich will hier nicht auf Heufer-Umlauf und sein Format „Late Night Berlin“ schimpfen. Im Gegenteil. Das ist unterhaltsames Entertainment. Aber es ist eben kein Journalismus. Das muss klar sein.
Nützliche Informationen sind natürlich nicht immer journalistischer Art. Auch Werbungtreibende können aufrichtig, solidarisch und verantwortungsvoll kommunizieren. Ford geht aktuell mit gutem Beispiel voran.
In den USA zieht der Autobauer seine Modell-Spots zurück und ersetzt sie durch ein Hilfsangebot. Ford bietet Zahlungserleichterungen für Leasingkäufer, die durch die Corona-Krise in finanzielle Schwierigkeiten geraten.
Damit liefert Ford – ganz banal ausgedrückt – relevanten Content. Auch das hilft.
Einen Abend voller Gelassenheit und relevanter Informationen wünscht
Rolf Schröter


Klaas Heufer-Umlauf verliert Journalistenpreis, den er unter anderem für Beiträge in der Show "Late Night Berlin" erhalten hatte. Foto: Pro Sieben



