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Frontmann Mark Zuckerberg hat Ärger

Mit Werbeboykotts Meinungen unterdrücken

Holger Schellkopf, Chefredakteur bei W&V, berichtet: Schon 90 Unternehmen stoppen ihre Werbung auf Facebook.

Lieber Herr Böhmer,

mit Kritik umzugehen ist für Facebook und insbesondere Frontmann Mark Zuckerberg nicht unbedingt neu. Die Stärke des Gegenwinds, den der Digitalriese derzeit aber in den USA erlebt, hat dann aber doch eine neue Qualität - und er kommt von besonders unangenehmer Seite.

Denn Werbeeinnahmen sind nun einmal der wesentliche Kern des Geschäftsmodells der Digitalplattformen, damit gleichzeitig der größte Hebel, wenn es um notwendige Veränderungen geht.

Unangenehm dabei nicht zuletzt, dass auch die bisher recht jungfräulich daherkommende Tochter Instagram in Mithaftung genommen wird. Parallel daherkommende Unbill wie das BGH-Urteil zugunsten einer Entscheidung des Bundeskartellamts ist da eher Kleinvieh (das irgendwann jedoch bekanntlich auch Mist macht).

Tatsächlich zeigt die konzertierte Aktion auf Basis der Initiative #StopHateForProfit bereits Wirkung - nicht nur auf den Aktienkurs von Facebook, sondern auch bei Mark Zuckerberg.

Wie viel dabei Überzeugung ist und wie viel geschäftliche Überlegung, sei dahingestellt, macht an dieser Stelle aber auch keinen wesentlichen Unterschied.

Das gilt nicht in gleichem Maße für die Unternehmen, die sich mehr oder weniger publikumswirksam in den Dienst der Sache stellen - oder vielleicht doch nur das eigene Image und den Kassenstand verbessern wollen?

Eine klare Antwort darauf, wer in welche Kategorie gehört, dürfte schwierig bis unmöglich sein. Unzweifelhaft ist allerdings, dass die zum Wochenende bekanntgewordene Werbestopp-Entscheidung von Unilever durchaus Signalwirkung hatte. Im Übrigen auch dafür, Twitter gleich mit einzubeziehen.

Was auch immer die Beweggründe waren, die aktuelle Entwicklung scheint eine alte Weisheit zu bestätigen: die Macht des Kunden ist groß, wenn er sie denn entsprechend nutzt.

Besonders spannend bei den Werbeboykotts ist am Ende des Tages natürlich eine Frage: Welche Konsequenzen hatte die Aktion für die beteiligten Brands?

An welcher Stelle lassen sich direkte Auswirkungen spüren? Wo ist im Grunde nichts passiert? Die Antworten auf diese Fragen dürften langfristig sogar noch umfangreichere Folgen haben.

Aber es muss an dieser Stelle auch noch einmal gesagt werden: Wenn #StopHateForProfit tatsächlich dafür sorgen kann, dass die digitale (und damit auch die analoge) Welt ein wenig besser wird, dann hat die Initiative enorm viel erreicht. Daran können wir uns durchaus ein Vorbild nehmen.

Einen schönen Abend wünscht

Holger Schellkopf