Ebenfalls französisch und recht gesprächig, aber keinesfalls feinsinnig ist "Balconettes". Regisseurin Noémie Merlant schwebte offenbar eine Turbo-Aktualisierung von Alfred Hitchcocks Klassiker "Fenster zum Hof" (1954) aus feministischer Sicht vor.
Doch ihre überdrehte Horrorkomödie schlingert zwischen schwarzem Humor und Geschmacklosem hin und her.
(Kinostart: 8.5.) „Fenster zum Hof“ aus weiblicher Sicht: Regisseurin Noémie Merlant inszeniert farbenfroh eine erotisch aufgeladene Horrorkomödie mit schwarzem Humor.
Doch zwischen feministischer Selbstermächtigung und drastischen Schocks trifft der Film oft nicht den richtigen Ton.
Glühende Hitze liegt über Marseille; 46 Grad im Schatten sagt die Radio-Nachrichtensprecherin voraus.
Alle Menschen werden aufgefordert, in ihren Wohnungen zu bleiben. Nur wer einen schattigen Balkon hat, ist fein raus.
So wie Nicole (Sanda Codreanu) und ihre Mitbewohnerin Ruby (Souheila Yacoub): Die eine strebt eine Karriere als Schriftstellerin an, die andere stellt ihren Körper als Camgirl übers Internet aus.
Zu ihnen stößt Élise (Noémie Merlant); die Schauspielerin ist überstürzt vor ihrem aufdringlichen Freund aus Paris geflohen.
Gerade hat sie einen Fernsehfilm abgedreht, jetzt bereitet sie sich auf ihr Kinodebüt vor. Die Rolle, von der sie ihren Freundinnen erzählt, verweist auf Noémie Merlants eigenen internationalen Durchbruch als Schauspielerin im gefeierten Historiendrama „Porträt einer jungen Frau in Flammen“ von Céline Sciamma aus dem Jahr 2019.
Voyeuristisches Abenteuer
„Balconettes“ ist Merlants zweite Regiearbeit; das Drehbuch entstand in Zusammenarbeit mit Sciamma, die auch als ausführende Produzentin fungierte.
Und in diesem überdrehten Genre-Mix geht es nicht nur in Sachen Außentemperaturen heiß her. Schon bald teilen die drei Freundinnen das Interesse an Nicoles neuestem voyeuristischen Abenteuer:
Sie hat sich aus der Distanz in den attraktiven Modefotografen (Lucas Bravo) verguckt, der seit kurzem im Haus gegenüber wohnt und gern in seinem Fenster über dem Hof posiert.
Kunst+Film-Redaktion


Nicole (Sanda Codreanu), Ruby (Souheila Yacoub) und Elise (Noémie Merlant) . Foto: © 2024 Progress Filmverleih
Ruby (Souheila Yacoub), Nicole (Sanda Codreanu) Foto: © 2024 Progress Filmverleih
Nicole (Sanda Codreanu), Ruby (Souheila Yacoub) und Elise (Noémie Merlant) . Foto: © 2024 Progress Filmverleih



