Gesellschaft Freunde der Künste
Karriere scheint nun beendet zu sein

Belvedere in Wien in heller Aufregung - Compliance-Richtlinien? Was ist da los

Vorwürfe und Behauptungen mußte sich Agnes Husslein-Arco schon viele anhören. Einst wurde kolportiert, sie hätte ihre Stelle bei Sothebys verloren, weil sie den FPÖ-Politiker Thomas Princehorn zu einem Vortrag eingeladen hätte.

Als sie 2003 mit Jörg Haider das Museum Moderne Kunst Kärnten in Klagenfurt eröffnete, hieß es, dass sie der politisch "rechts" stehenden Partei zur Glaubwürdigkeit im Kulturbereich verhelfen würde oder wolle.

Die Grünen kritisierten sie als "Jet-Setterin" und "Seitenblick-Lady" ohne Kunstkompetenz. Das muss man erstmal jemandem nachsagen, der 19 Jahre lang Geschäftsführerin von Sothebys Österreich war, von 1990 bis 1998 für das Guggenheim in New York gearbeitet hat. Das schaffen nur die Grünen.

Seit 2007 ist sie Direktorin der Österreichischen Galerie Belvedere in Wien. 2008 wurde sie Österreicherin des Jahres. 2011 bekam sie das goldene Ehrenabzeichen für Verdienste um das Land Wien. 2013 das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst. 2014 wurde sie Mitglied der Europäischen Akademie der Wissenschaften und Künste.

Diese Karriere scheint nun beendet zu sein

Agnes Husslein-Arco schreibt den Freunden der Künste in eigener Sache:

Auf Anregung zahlreicher Freunde des Belvedere möchte ich
in diesem Schreiben zur laufenden Diskussion über meine Person und meine Arbeitsweise als Direktorin des Belvedere Stellung nehmen.

Wie Sie wissen, leite ich das Belvedere seit zehn Jahren mit ganzer Leidenschaft und großem Engagement. Gemeinsam mit meinem Team konnte ich viele Erfolge erzielen. So ist es uns gelungen, in allen Bereichen der musealen Arbeit neue Maßstäbe zu setzen.

Wir zeigen pro Jahr mehr als dreißig Ausstellungen. Zu jeder gibt es ein umfangreiches Vermittlungsprogramm, das viele unterschiedliche Zielgruppen anspricht, z. B. Eltern mit Babys, Kinder, Jugendliche, ältere Menschen oder Menschen mit Behinderung. Zu jeder Schau erscheint außerdem eine wissenschaftlich fundierte Publikation, die auf der Arbeit in unserem Research Center basiert.

Darüber hinaus laden wir jedes Jahr internationale Kuratoren sowie Künstler ein, im Rahmen der Projekte „Curator in Residence“ und „Artist in Residence“ mit uns zusammenzuarbeiten. Damit konnten wir das Belvedere als Zentrum österreichischer Kunst innerhalb der Kunstszene auch international neu positionieren.

5000 Neuzugänge im Wert von mehreren 100 Millionen Euro

Eine weitere Kernaufgabe in unserem Haus ist das Sammeln. Innerhalb der vergangenen zehn Jahre ist es uns gelungen, 5 000 Neuzugänge zu verbuchen, der Großteil aus Dauerleihgaben und Schenkungen im Gesamtwert von mehreren 100 Mio. EUR.

All diese Anstrengungen wurden von unseren Besuchern auch belohnt. Wir konnten die Besucherzahl von 400 000 im Jahr 2006 auf 1,3 Mio. im Jahr 2015 steigern und damit den Gesamtumsatz auf 25,6 Mio. EUR erhöhen. Das Belvedere erreicht somit einen Eigendeckungsgrad von 58 %.

Leistungen wie diese können nur dann gelingen, wenn eine gewisse Dynamik herrscht und sich alle mit voller Kraft und viel Engagement einbringen. Das Team des Belvedere ist leistungsstark, aus diesem Grund werden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Hauses auch immer wieder zu Direktoren anderer Museen bestellt.

Mir ist aber auch bewusst, dass dieses Tempo nicht leicht zu bewältigen ist und nicht alle Schritt halten konnten oder wollten. Ist es in Einzelfällen zu Missstimmungen gekommen, tut mir das persönlich sehr leid.

365 Tage im Jahr im Einsatz

Als Direktorin bin ich 365 Tage im Jahr rund um die Uhr im Einsatz: Denn es geht nicht nur darum, das Haus zu führen, sondern auch darum, das Vertrauen der Sammler, der potenziellen Leihgeber und der Sponsoren zu gewinnen. Deshalb ist es unabdingbar notwendig, dort präsent zu sein, wo Kunst stattfindet und vorhanden ist. Daraus ergibt sich zwangsläufig eine Überschneidung von beruflicher Tätigkeit und Privatleben.

In meinem Fall waren diese Überschneidungen immer bekannt (z. B. dass ich im Sommer von meinem Wohnsitz in Kärnten aus arbeite) – sowohl der kaufmännischen Leitung, Frau Ulrike Gruber-Mikulcik, als auch dem Kuratorium. Ich habe immer nach dem Vier-Augen-Prinzip agiert.

Erst als Frau Gruber am 14. Juni 2016 erfuhr, dass ich in meiner Funktion wiederbestellt werde, sie aber nicht als kaufmännische Geschäftsführerin eingesetzt wird, meldete sie die Verstöße gegen die „Compliance-Richtlinien“ beim Kulturministerium bzw. beim Kuratoriumsvorsitzenden, Herrn Dkfm. Hans Wehsely.

Jeder von Ihnen möge sich davon sein eigenes Bild machen …

Kulturminister Thomas Drozda hat daraufhin den Bestellungsprozess ausgesetzt. Hans Wehsely hat die Angelegenheit umgehend an die Medien weitergeleitet und die Wirtschaftsprüfungskanzlei BDO mit der Überprüfung der Vorwürfe beauftragt. Wie sich nun herausstellte zu einem Honorar von EUR 130 000,–.

Nichts dran an den absurden Vorwürfen

Mitte Juli wurde der Bericht abgeschlossen, die teilweise absurden Vorwürfe konnten stichhaltig entkräftet werden. Hans Wehsely zwang mich jedoch, aufgrund der verrechneten Reisespesen Kärnten–Wien, die von Frau Gruber abgezeichnet waren und über die er Bescheid wusste, Verfehlungen einzugestehen. Nur dann könne ich meine Funktion bis Jahresende erfüllen.

Nach der mir vom Kuratorium vorgelegten schriftlichen Aufforderung, Frau Gruber vom Dienst zu suspendieren und sie ehestmöglich zu kündigen, wurde vom Ministerium Herr Dieter Bogner als interimistischer kaufmännischer Geschäftsführer eingesetzt.

Frau Gruber blieb in der Zwischenzeit nicht untätig und reichte über den Anwalt Georg Schima eine strafrechtliche Klage bei der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft ein. Die WKStA wird die Klage nicht behandeln und hat sie an die Staatsanwaltschaft Wien weitergeleitet.

Die öffentlich ausgetragene Desavouierung meiner Person lief unterdessen ungebremst weiter und gipfelte in der Berichterstattung in der vergangenen Woche, nachdem der Kulturminister am 27. Juli 2016 bekannt gegeben hatte, dass er sowohl die kaufmännische Geschäftsführung als auch die wissenschaftliche Geschäftsführung (also auch meine Position) erneut ausschreiben werde.

Hans Wehsely, der Vorsitzende des Kuratoriums, war kurz zuvor zurückgetreten

Ich persönlich bedaure sehr, dass mit dieser Diskussion das Ansehen des Belvedere Schaden nimmt und die unbestrittenen Höhepunkte und Leistungen, die mein Team und ich für das Haus erzielt haben, in den Hintergrund gedrängt werden. Ich vertraue jedoch darauf, dass Sie trotzdem oder gerade deshalb dem Belvedere und mir wie bisher verbunden bleiben.

Agnes Husslein-Arco


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Gottfried Böhmer ist seit 1997 künstlerischer Direktor der Gesellschaft Freunde der Künste und Redaktionsleiter der GFDK.

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