Verena Gründel, Mitglied der Chefredaktion bei W&V, berichtet heute über einen möglichen Rosenkrieg.
Lieber Herr Böhmer,
es war nie die große Liebe. Eher eine Zweckgemeinschaft. 2015 schlossen sich die AGF und Google zusammen, um gemeinsam einen Bewegtbildstandard für TV und Onlineplattformen zu schaffen und die Reichweitendaten beider Medien vergleichbar zu machen.
Seitdem hat man nicht mehr viel gehört. Bis jetzt. Aber statt des langersehnten Standards verkünden sie das Ende der Partnerschaft.
Wer einen Rosenkrieg erwartet, wird nicht enttäuscht: In Stellungnahmen schieben sie sich – indirekt – gegenseitig die Schuld in die Schuhe. Die AGF wolle weiter an einem Standard arbeiten und verkündet großmütig, die Tür für Google stehe jederzeit offen.
Google dagegen bedauert angeblich den Abbruch der Gespräche und lässt betont unschuldig wissen, man habe alle Verpflichtungen erfüllt.
Das Projekt hätte ein internationales Vorbild werden können. Doch die Chance ist nun vertan. Unterm Strich dürfte es die lokale Werbewirtschaft deutlich mehr schmerzen, als den Monopolisten Google. Der sitzt mit seiner Marktmacht im Zweifel immer am längeren Hebel.
Einen Trumpf haben die hiesigen TV-Vermarkter heute aber doch noch ausgespielt:
Die Werbewirkungsstudie "Not all Reach is Equal" zeigt nämlich, dass klassisches Fernsehen und Streaming bei der Werbewirkung die Nase vorn haben – im Vergleich zu Youtube, Facebook und Instagram.
Es ist wohl keine Überraschung, dass die Studie nicht von Google oder aber Facebook finanziert wurde, sondern von Screenforce, der Initiative der TV- und Bewegtbildvermarkter.
Die zweite große Trennung des Tages ist die von Jung von Matt und der Sparkasse – nach beeindruckenden 30 Jahren. Da darf man schon mal ein Tränchen verdrücken. Böses Blut gab es nicht.
"Nach so langer Zeit ist der Wunsch nach anderen Perspektiven verständlich“, kommentiert Jean-Remy von Matt. Er trägt es mit Fassung. Denn Tiefschläge seien Crashtests für seine Agentur, schrieb er im Mai in W&V. Und ein Beleg für Unkaputtbarkeit.
Einen schönen Abend wünscht
Verena Gründel


Kerstin Niederauer-Kopf, Vorsitzende der AGF-Geschäftsführung, ist weiter für Gespräche mit Google offen. Foto: AGF



