Verena Gründel, Chefredakteurin bei W&V, ist im Irrtum wenn Sie glaubt, nur die Querdenker würden die Aktion #allesdichtmachen gut finden. Da gibt es noch viele andere die das gut finden. 53 prominente TV-Stars die Corona-Politik der Bundesregierung kritisieren könnten doch Recht haben.
Lieber Herr Böhmer,
Sieg für die frauenfeindlichen Texte. Die Kampagne #unhatewoman von Philipp und Keuntjefür Terre des Femmes hat bei den Deutschen Digital Awards 2021 abgeräumt.
Sie erinnern sich sicherlich noch. Frauen lesen vor der Kamera Sätze aus Rapsongs vor wie "Eine Frau bleibt auf Ewigkeit ein Gegenstand" oder "Bring deine Alte mit, sie wird im Backstage zerfetzt".
Gleich dreimal Gold und den Best-of-Award gewinnt die Kampagne.
Das ist gut so. Nicht nur, weil die Kampagne ein Highlight ist. Sondern auch, weil so noch einmal über das Thema gesprochen wird.
Nicht besonders gut gemacht ist die Kampagne #allesdichtmachen, in der etliche TV-Stars gegen die Corona-Politik der Bundesregierung wettern.
Die Satire, mit der sie die Lockdown-Regeln auf die Schippe nehmen wollen, kommt weder in der Bevölkerung noch in der Filmszene gut an. (das mit der Bevölkerung müssen wir aber in Frage stellen)
Der Schauspieler Ulrich Tukur hatte die Bundesregierung in einem der Videos der Aktion ironisch aufgefordert: „Schließen Sie ausnahmslos jede menschliche Wirkungsstätte und jeden Handelsplatz. Nicht nur Theater, Cafés, Schulen, Fabriken, Buchhandlungen, Knopfläden, nein, auch alle Lebensmittelläden, Wochenmärkte und vor allem auch all die Supermärkte.“ Am Anfang seines Auftritts zitiert Tukur achselzuckend Rilke: „Der Tod ist groß/ Wir sind die Seinen/ lachenden Munds.“
Und er fügt hinzu: „Sind wir erst am Leibe und nicht nur an der Seele verhungert und allesamt mausetot, entziehen wir auch dem Virus und seiner hinterhältigen Mutantenbagage die Lebensgrundlage.“
Jan Josef Liefers bedankt sich leicht ironisch "bei allen Medien unseres Landes, die seit über einem Jahr unermüdlich verantwortungsvoll und mit klarer Haltung dafür sorgen, dass der Alarm genau da bleibt, wo er hingehört, nämlich ganz, ganz oben."
Die Schauspielerin Nina Gummich verkündete in ihrem Video ironisch: „Ich mache mich stark für die Meinungsfreiheit. Besonders während so turbulenten Zeiten wie der Coronakrise. Deshalb habe ich mich in den letzten Monaten Stück für Stück von meiner eigenen Meinung befreit.“ Eine eigene Meinung sei in diesen Zeiten „krass unsolidarisch“.
Kollegen wie Christian Ulmen oder Elyas M’Barek kritisieren sie deutlich. Nur eine Gruppe feiert die Videos: Die selbsternannten Querdenker.
Das ist ziemlich blöd gelaufen.
Was dagegen gut ankommt, sind die neuen Bluetooth-Tracker von Apple. So gut, dass offenbar erste Eltern die Idee hatten, ihre Kinder mit den AirTags zu orten.
Apple warnt davor. Um Menschen zu überwachen, sei der Chip nicht gemacht. So wirklich hilfreich dürfte das in den meisten Fällen nicht sein.
Schließlich reichen Bluetooth-Signale normalerweise nicht weiter als 100 Meter. Mit einem iPhone lassen sich Kinder sicherlich besser überwachen.
Aber das wollen wir doch hoffentlich nicht.
Ein schönes Wochenende wünscht
Verena Gründel
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Nur bei den ganz dummen sorgt die Kampagne für Irritation. Foto: Jan Josef Liefers/Instagram



