Kevin Roberts war bis zum 1. August 2016 so was wie eine Legende in der Werbebrance. Seit 1997 stand er an der Spitze von Saatchi & Saatchi Worldwide. In einer Branche wo heuern und feuern an der Tagesordnung ist, wenn nur der kleinste Erfolg ausbleibt, kann man tatsächlich bei Roberts von einer Legende sprechen.
Nun verliert einer der bekanntesten Werber der Welt seinen Job. Als Grund werden umstrittene Äußerungen des Agenturchefs zum Thema Gleichstellung von Frauen in Werbeagenturen angegeben. In einem Interview mit dem "Business Insider UK" sagte er.
Sexistische Sprüche?
"Viele Frauen wollen im Job gar nicht aufsteigen und Karriere machen. Es mangelt ihnen nämlich schlicht an "vertikalen Ambitionen": Sie wollen keine Führungspositionen. Sie wollen einfach nur gute Arbeit machen und glücklich sein." Was ist daran falsch fragen wir uns. Viele Frauen haben tatsächlich keine Lust täglich 13 und mehr Stunden im Büro zu verbringen und auch noch die Wochenenden durch zuarbeiten.
Debatte über Gleichberechtigung sei längst "vorbei"
Auch sagte er "Er selbst habe freilich keine Zeit, um Gleichstellungsfragen zu erörtern. In der Werbebranche gebe es aber ohnehin keine sexuelle Diskriminierung. Denn: Bei Saatchi & Saatchi sei die Mehrzahl der Mitarbeiter weiblich." Auch an dieser Aussage gibt es nichts zu bemängeln. Als Saatchi & Saatchi-Chairman hat man ganz gewiss sehr viele wichtigere Aufgaben als sich permanent mit einem Thema zu beschäftigen, das schon lange abgegriffen ist.
"Die Debatte über Gleichberechtigung sei längst "vorbei" und er vertrödele in seiner Agentur "keine Zeit" mehr mit diesem Thema. Die Welt sei voll von Integration, Kollaboration, Zusammenarbeit und Kreativität - dies werde auch in der Agenturgruppe deutlich."
Haben die noch alle Tassen im Stübchen
Diese Aussagen sollen nach Auffassung der Publicis-Holding, zu der Saatchi & Saatchi gehört schon sexistisch sein. Da packt man sich doch an den Kopf.
Der politisch korrekte Zeitgeist hat zugeschlagen
Die Publicis-Holding, zu der Saatchi & Saatchi gehört, reagierte wie im Irrenhaus. In einer Stellungnahme heißt es, "die Gruppe verfolge eine Null-Toleranz-Politik gegenüber Verhaltensweisen und/oder Äußerungen, die dem Motto "Vive la différence" zuwiderlaufen. Die Themen Vielfalt und Inklusion seien für die Gruppe nicht verhandelbar".
Ein Armutszeugnis der Werbebranche
Ist die Werbebranche wirklich frauenfreundlich? Die Zahlen der Association of Accredited Advertising Agents (4A) sprechen eine andere Sprache, wie der "kontakter" meldet. "Demnach wurde mehr als jede zweite Frau, die in der Werbebranche arbeitet, mindestens einmal in ihrem Arbeitsleben Opfer sexueller Belästigungen.
Ein Drittel glaubt, dass ihnen aufgrund ihres Geschlechts Aufgaben nicht zugeteilt wurden oder sie in Entscheidungen nicht miteinbezogen wurden. Auch an weiblichen Vorbildern oder Mentoren fehlt es allen Ortens: 70 Prozent der jüngeren Mitarbeiterinnen gaben an, noch nie mit einer weiblichen Kreativdirektorin zusammengearbeitet zu haben".
Kevin Roberts hat sich wie folgt geäusert:
“Fail Fast, Fix Fast, Learn Fast” is a leadership maxim I advocate.
When discussing with Business Insider evolving career priorities and new ways of work/life integration, I failed exceptionally fast.
My miscommunication on a number of points has caused upset and offense, and for this I am sorry.
I have inadvertently embarrassed Saatchi & Saatchi and Publicis Groupe, two companies I love and have been devoted to for almost 20 years.
I have expressed my regret and apology to the companies for the furor my remarks and language stimulated, and I extend this to colleagues, staff and clients.
So that we can all move forward, I am bringing forward my May 1, 2017, retirement from the company, and will leave the Groupe on September 1, 2016.
There is a lot of learning to reflect on, and within the thousands of tweets, comments and articles there are many powerful and passionate contributions on the changing nature of the workplace, the work we do, what success really looks like, and what companies must do to provide women and men the optimal frameworks in which to flourish.
I believe that new thinking, frameworks and measures are needed to make more rapid progress on diversity in all its forms, in all professions and occupations. Hopefully, the focus on this serious and complex issue will gather momentum.Kevin Roberts
“Fail Fast, Fix Fast, Learn Fast” is a leadership maxim I advocate.
When discussing with Business Insider evolving career priorities and new ways of work/life integration, I failed exceptionally fast.
My miscommunication on a number of points has caused upset and offense, and for this I am sorry.
I have inadvertently embarrassed Saatchi & Saatchi and Publicis Groupe, two companies I love and have been devoted to for almost 20 years.
I have expressed my regret and apology to the companies for the furor my remarks and language stimulated, and I extend this to colleagues, staff and clients.
So that we can all move forward, I am bringing forward my May 1, 2017, retirement from the company, and will leave the Groupe on September 1, 2016.
There is a lot of learning to reflect on, and within the thousands of tweets, comments and articles there are many powerful and passionate contributions on the changing nature of the workplace, the work we do, what success really looks like, and what companies must do to provide women and men the optimal frameworks in which to flourish.
I believe that new thinking, frameworks and measures are needed to make more rapid progress on diversity in all its forms, in all professions and occupations. Hopefully, the focus on this serious and complex issue will gather momentum.
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Gottfried Böhmer ist seit 1997 künstlerischer Direktor der Gesellschaft Freunde der Künste und Redaktionsleiter der GFDK.
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Einer der bekanntesten Werber der Welt verliert seinen Job weil er etwas sagt was längst bekannt ist. Kevin Roberts nimmt seinen Hut. Foto: (c) Duncan Cole/Saatchi & Saatchi