Holger Schellkopf, Chefredakteur von W&V schreibt mir heute etwas zu den anlaufenden Weihnachsspots, und zu weiteren Geschichten aus der Werbewelt. Gestern ging es noch um SodaStream, die sich im Kampf gegen Plastikmüll stark machen wollen. Sehr schön, sagte ich. Aber hält sich der neue Eigentümer von SodaStream, die Pepsi-Cola Inc. auch daran?
Lieber Herr Böhmer,
es gibt auch für Menschen ohne Kalender absolut zuverlässige Hinweise dafür, dass Weihnachten mit erhöhter Geschwindigkeit heranrauscht. Auf die Lebkuchen- oder Marzipankartoffel-Dichte in den Supermärkten ist nicht mehr wirklich Verlass, im Zweifel wähnt man sich sonst schon Ende August im Advent.
Aber wenn die Saison der Weihnachtspots so richtig Fahrt aufnimmt, dann kann man davon ausgehen, dass auch die Betreiber von den Buden auf den Christkindlmärkten bereits in den Startlöchern stehen.
Zum guten Ton gehört es auch, dass mindestens ein Spot für eher unweihnachtliche Diskussionen sorgt. Den Job hat in diesem Jahr schon sehr frühzeitig die Supermarktkette Iceland übernommen.
Der Spot hat, was eine Weihnachtskampagne braucht: ein kleines Mädchen, ein Tierbaby und eine berührende Story . Trotzdem darf er nicht ausgestrahlt werden. Zu politisch, finden zumindest die britischen TV-Sender.
Die Zerstörung der Regenwälder durch die Palmölproduktion wollte die britische Supermarktkette Iceland mit einem TV-Spot tematisieren. Das Orang-Utan Baby flüchtet sich ins Kinderzimmer.
Iceland kann sich damit trösten, dass man auf der einen Seite zwangsläufig ziemlich Geld gespart und auf der anderen Seite via eigenen YouTube-Kanal auch schon eine recht gediegene Reichweite erzielt hat.
In der Schweiz geht es da schon manierlicher zu. Obwohl, immerhin verschickt Manor die Horrorfantasien eines Weihnachtselfen. Aber das Ganze ist dann doch sehr süß und durchaus sehenswert. Ein Sendestopp ist da wohl eher nicht zu befürchten.
Wer angesichts der Weihnachtsspots an die Sache mit den Geschenken für seine Lieben denkt und etwas ins Schwitzen kommt, der kann vielleicht bei einer der vielen Marken fündig werden, die inzwischen im Namen von Promis betrieben werden.
Neu im Ring ist Celine Dion. Sie will die Kinder (oder wohl eher deren Eltern) jetzt mit passender Mode beglücken.
Wer mit den Sachen nix anfangen kann, der darf sich zumindest darüber freuen, dass Frau Dion nicht singt, während sie sich um Mode kümmert.
Zum Abschluss des Tages noch ein melancholischer Blick zurück. Anfang der Woche ist die Marvel-Legende Stan Lee im Alter von 95 Jahren gestorben. Im memoriam haben wir jetzt noch einmal ein Interview veröffentlicht, dass uns der damals auch schon 91-Jährige Lee gab - und dessen Inhalte zum Teil heute noch sehr aktuell und relevant sind.
In diesem Sinne einen schönen Abend wünscht
Holger Schellkopf
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Die Zerstörung der Regenwälder durch die Palmölproduktion wollte die britische Supermarktkette Iceland mit einem TV-Spot thematisieren. Der Orang-Utan flüchtet sich ins Kinderzimmer. Foto: Iceland