Verena Gründel, Mitglied der Chefredaktion bei W&V, beschäftigt sich immer noch mit Clubhouse.
Lieber Herr Böhmer,
verrückt. Viele hätten es nicht für möglich gehalten. Selbst zweieinhalb Wochen nach dem Erscheinen von Clubhouse auf der deutschen Bildfläche wird das Netzwerk immer noch aktiv genutzt.
Weltweit loggen sich laut dem Mitgründer und CEO Paul Davison zwei Millionen Menschen wöchentlich ein. Sechs Millionen sind insgesamt angemeldet.
Die anderen vier Millionen Neugierigen haben sich offenbar in Karteileichen verwandelt. Der Bekanntheitsgrad in der Bevölkerung ist allerdings noch immer minimal, wie OMD herausfand. Man könnte sagen, Clubhouse ist die winzige hintere Ecke in der Nische.
Trotzdem weisen die Zeiger nach oben. Auch die Professionalität steigt. Nach zahllosen Sessions, wie man denn ein perfekter Host und Moderator wird, werden die Talks immer besser.
Sogar immer mehr Unternehmen trauen sich mit eigenen Accounts auf die Plattform: Edeka, der WWF, Congstar, Peek & Cloppenburg, Urlaubsguru oder der FC Bayern München, um nur ein paar zu nennen.
Sie alle bewegen sich in einer Grauzone, denn den Nutzungsbedingungen zufolge darf Clubhouse nicht für geschäftliche Zwecke verwendet werden.
Das wirft eine allgemeine Frage auf: Ist jeder von uns eigentlich privat oder geschäftlich dort? Kommunizieren wir im Namen unseres Arbeitgebers oder nur für uns persönlich?
Und wenn ja, was sollen und dürfen wir sagen? Bodo Ramelow kann ein Lied davon singen. Diese Frage dürfte noch einiges an Konfliktpotenzial aufwerfen.
Apropos Konflikt: Facebook kopiert mal wieder. Diesmal guckt sich der Konzern für seine Plattform Instagram ein Feature von Tiktok ab: nämlich das vertikale Scrollen durch die Stories.
Noch handelt es sich bei dem vertikalen Story-Feed um einen frühen Prototypen. Der aber eigentlich längst überfällig ist. Denn wo scrollt man abgesehen von den Stories schon horizontal?
Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend
Ihre Verena Gründel


Clubhouse ist die Hype App der Stunde. Foto: Youtube/Spot-Screenshot


