Holger Schellkopf, Chefredakteur bei W&V, scheint vom Super Bowl begeistert zu sein.
Lieber Herr Böhmer,
Fußball-EM hin, Olympia her – wenn es um die Verbindung von Sport und Show mit Marken und Werbung geht, dann ist wohl nichts größer als der Super Bowl. In der Nacht auf Montag (nach deutscher Zeit) ist es wieder soweit, ohne Zuschauer aber mit viel Aufmerksamkeit.
Das wichtigste Football-Spiel des Jahres hat schon im Vorfeld Geschichte geschrieben. Mit den Tampa Bay Buccaneers bestreitet erstmals in der Geschichte der NFL eine Mannschaft im eigenen Stadion den Super Bowl.
Damit schreibt auch Quarterback-Legende Tom Brady ein weiteres Kapitel seiner Erfolgsstory. Obendrein kommt es zum Duell der Generation, wenn auf der anderen Seite Titelverteidiger Kansas City Chiefs mit dem jungen Helden Patrick Mahomes.
Viel mehr können sich weder die Fans vor den TV-Geräten, noch die übertragenden Sender wünschen – und die Werbungtreibenden im Umfeld des Spiels schon gar nicht. Kein Wunder also, dass die Brands auch in diesem Jahr viel Geld für ihre Super-Bowl-Spots in die Hand nehmen.
Doritos schickt Matthew McConaughey aufs Werbe-Feld, Amazon spielt mit Michael B. Jordan als Alexa mit, Klarna setzt bei seinem Super-Bowl-Debüt auf eine Offensive Line von vier eher klein geratenen weiblichen Cowboys und Fiverr will durch die Reminiszenz an eine von vielen bizarren Szenen aus dem Wirken des ehemaligen US-Präsidenten Trump punkten.
Sogar deutsche Werbestars gibt es in Sachen Super Bowl inzwischen. Björn Werner (dereinst selbst ein sehr solider NFL-Spieler) und Patrick "Coach" Esume (wie der Spitzname vermuten lässt, vor allem als Trainer – unter anderem der französischen Nationalmannschaft – aktiv) sind nicht nur die Moderatoren von “Ran NFL” sondern bestreiten auch den wohl bekanntesten deutschen Football-Podcast.
Grund genug für Ford, mit den beiden Herren eine Kampagne für den Ford Ranger zu lancieren. "Sportmarketing muss in große Momente investieren", sagt denn auch Robert Zitzmann von JvM Sport.
Der Super Bowl ist ein solcher Moment, wahrscheinlich der größte. Das lässt sich sogar an den Marken erkennen, die in diesem Pandemie-Jahr ein Zeichen setzen wollen und auf die normale Kampagne bei der Werbemaschine Super Bowl verzichten. Selbst der Verzicht generiert viel Aufmerksamkeit.
Über mangelnde Aufmerksamkeit kann sich der 1.FC Köln gerade nicht unbedingt beschweren, mit großen Momente sieht es dagegen ziemlich finster aus. Im DFB-Pokal kassierte der Bundesligist gerade eine sehr bittere Niederlage gegen Zweitligist Jahn Regensburg.
Sehr erfreulich für mich als Regensburger, sehr unangenehm für den bekennenden Köln-Fan Mike Kleiß. Was unseren Markenlage-Kolumnisten aber sogar noch mehr schmerzt, ist die Posse, die sein Verein bei der Besetzung der Mediendirektor-Stelle inszeniert hat.
Ob Fußball oder Football, am Wochenende steht auf jeden Fall viel Sport auf dem Programm. Noch besser ist es natürlich, auch selbst aktiv zu werden, egal womit.
In diesem Sinne: schönes Wochenende!
Holger Schellkopf


Michael B. Jordan ist der Star der neuen Amazon Super Bowl Werbung. Foto: Amazon/Screenshot Youtube



