Verena Gründel, Chefredakteurin bei W&V, hat heute mal ein Farben-Spiel unter den Marken ausgemacht.
Lieber Herr Böhmer,
ich habe gerade beim Kiosk nebenan Kaffee geholt. Raten Sie, was die junge Frau vor mir kaufte? Den rosafarbenen Bio Tee Hibiskus von Volvic.
Den, der gerade angeblich überall ausverkauft ist. Nicht weil Volvic gerade eine tolle Kampagne laufen lässt. Sondern weil pinke Getränke unter dem Hashtag #pinkdrinks auf TikTok das Ding sind und die Volvic-Flaschen somit ganz unverhofft zum Verkaufsschlager wurden.
"Wir waren selbst überrascht“, sagt Marketingleiter Antoine Hours. Manchmal muss man eben Glück haben. Oder das richtige Gespür für Farbe.
Von Pink kommen wir zu Blau.
Der Farbe des Wassers, in der die Luftblasen von O2 unaufhaltsam nach oben steigen.
Die Marke will es ihnen gleichtun und hat große Pläne, sich zur besten Mobilfunkmarke Deutschlands zu entwickeln. Superbrand, nennt Marketingleiter Michael Falkensteiner das Ziel.
„Unsere Mission ist es, die Spielregeln des Telkomarktes konsequent zu verändern“, versprach er mir im Interview. „Wir wollen Painpoints in Lovepoints verwandeln.“
Diese Aufbruchstimmung unterstreicht er mit einem neuen Markenclaim. Momentmal, den kennen wir doch. Und nun zu Gelb.
Der Farbe der Sonne. Aber auch des Verrats und der Schuld: Das schlechte Gewissen plagt immer mehr Konsumenten, wenn sie bei Amazon einkaufen. 30 Prozent haben Schuldgefühle.
Unter den Millennials und Gen Z sind es sogar noch mehr. Ein Unternehmen, bei dem wir kaufen, muss heute zu den eigenen Wertevorstellungen passen.
Das tut Amazon offenbar immer seltener. Die Marke ist zwar wahnsinnig stark, aber sie hat einen dicken Kratzer. Auch dafür steht Gelb, für Zwiespalt. Apropos Gelb. In München kommt pünktlich zum Feierabend die Sonne raus.
Ich hoffe, auch Sie bekommen ein paar Strahlen ab.
Ihre Verena Gründel


TikTok macht Volvic-Tee zum Verkaufsschlager. Foto: Volvic



