Verena Gründel, Mitglied der Chefredaktion bei W&V, berichtet mir über Neuigkeiten bei Beiersdorf.
Lieber Herr Böhmer,
Innovation-Lab und Unternehmens-Start-up waren gestern. Heute nennt man eine firmeninterne eigenständige Entwicklungseinheit „Corporate Indie Brand Unit“. Zumindest Beiersdorf will diesen Begriff bei sich etablieren.
Beim Namen für die nagelneue Einheit zeigt sich der Nivea-Hersteller eher konservativ: Oscar & Paul, nach den schon vor vielen Jahren verstorbenen Gründervätern Oscar Troplowitz und Paul C. Beiersdorf.
Um dieses Spannungsfeld zwischen Alt und Neu, zwischen Tradition und Moderne geht es bei Beiersdorf mit Oscar & Paul. Das erste Projekt der Unit war die schon über 70 Jahre alte Marke 8x4. Jeder kennt sie, aber gekauft wird sie von immer älteren Kunden.
Weil eine alternde Käuferschaft langfristig den Tod einer Marke bedeutet, haben Oscar & Paul – die heutigen – gleich alles neu gemacht: neue Formel, neuer Duft, neue Verpackung. Zumindest letztere sehen gar nicht mal schlecht aus.
An einer Verknüpfung zwischen alter und neuer Welt versuchen sich gerade auch Moleskine und Dropbox. In einer Kooperation haben der Notizbuchhersteller und der Cloud-Speicherdienst eine App entwickelt.
Mit der soll man handschriftliche Notizen abfotografieren, hochladen und mit Kollegen teilen. Der Mehrwert erschließt sich meiner Kollegin Marina Rößer nicht. Abfotografieren und Teilen können schließlich auch andere Apps.
Eine Brücke zwischen Alt und Neu zu bauen, ist also schwieriger, als es aussieht. Sogar die deutsche Vorzeigemesse IAA knabbert an dem Projekt, wie Markus Weber analysiert hat (W&V+).
Nicht umsonst ist die Transformation des eigenen Geschäftsmodells eine der größten Herausforderungen von Unternehmen.
Einen schönen Abend.
Ihre Verena Gründel


8x4: Der Deo-Relaunch ist erster Schachzug der neuen Geschäftseinheit Oscar & Paul hinsichtlich Markenentwicklung sowie Kollaboration mit externen Partnern. Foto: Beiersdorf

