Verena Gründel, Mitglied der Chefredaktion bei W&V meint, dass die Amis etwas von Marketing und Kundenbindung verstehen.
Lieber Herr Böhmer,
man mag Amazon ja so einiges nachsagen. Aber wenn es um Marketing und Kundenbindung geht, kann man den Amerikanern nichts vormachen. Um ihre neueste Serie "The Marvelous Mrs. Maisel", die in den späten 50ern spielt, zu bewerben, haben sie sich etwas Besonderes ausgedacht:
Sie haben zahlreiche Dienstleistungen und Waren zu Preisen von 1959 anbieten lassen. Haarschnitte, Milchshakes, Hamburger, Kinotickets oder Benzin gab es zu für heutige Verhältnisse lächerlichen Preisen.
Das Ergebnis: Verkehrschaos, Social-Media-Sturm – und jetzt spricht die ganze Welt drüber. Auch die Polizei mußte kommen. Eine Tankstation verkaufte Sprit für 30 Cent - pro Gallone (3,8 Liter)
Die Aktion war zwar sicher nicht ganz billig, aber der Wert sämtlicher Medienerwähnungen ist wahrscheinlich unbezahlbar.
Auch Aldi hat früher mit seinen Schnäppchen immer wieder Staus verursacht. Die Zeiten sind längst vorbei. Jetzt streitet der Discounter mit Lidl um die Vorherrschaft im niedrigsten Preissegment.
Das lässt er sich einiges kosten: Um ganze 50 Prozent steigerte er seine Werbeausgaben im ersten Halbjahr.
Ganz zu schweigen von den schrumpfenden Margen durch die immer aggressiveren Rabattschlachten. Tja, der Billigste zu sein, kann ganz schön ins Geld gehen.
Ein schönes Wochenende wünscht
Verena Gründel


Szene aus "The Marvelous Mrs. Maisel". Foto: Amazon Prime Video




