Gesellschaft Freunde der Künste
Europäische Kulturhauptstadt Chemnitz 2025

Stillgelegtes Braunkohle-Heizkraftwerk in Chemnitz als Schauplatz für Kunstfestival

Das Kunstfestival Begehungen findet vom 18. Juli bis zum 17. August 2025 im Gelände des stillgelegten Braunkohle-Heizkraftwerks Chemnitz-Nord statt.

Es ist Teil des offiziellen Programms der Kulturhauptstadt Europas Chemnitz 2025.Unter dem Titel EVERYTHING IS INTERACTION will das Festival die Komplexität der Themen Ressourcenverbrauch, Artenverlust und Klimakrise sichtbar machen.  

Die Ausstellung vereint 30 internationale künstlerische Perspektiven auf soziale, ökologische und ökonomische Folgen der Umweltzerstörung, auf Gerechtigkeits- und Machtfragen sowie damit verbundene gesellschaftliche Diskurse.

Das Festival soll ein inspirierender Ort für Begegnung, Austausch und kreative Impulse werden.

Die Ausstellung entsteht durch die von der künstlerischen Leitung ausgewählten Werke, einem Artist-in-Residence-Programm mit europäischen Partnerinstitutionen der Begehungen und Projektideen aus dem weltweit ausgeschriebenen Open Call.

Der Open Call war Künstler:innen unter 30 Jahren vorbehalten, wodurch nahezu ein Drittel der Ausstellung von jungen Perspektiven bestimmt wird. Die künstlerische Leitung der Ausstellung obliegt Dr. Claudia Tittel.
 

»Alles ist Wechselwirkung. Nichts steht für sich allein,
ein gemeinsames Band umschlingt die ganze organische Natur.«

 
Diese Zeilen notierte der große Naturforscher Alexander von Humboldt zu Beginn des 19. Jahrhundert unter dem Eindruck seiner ersten großen Amerika-Reise von 1799 bis 1804.

Humboldt hatte u.a. beim Besuch des Valenciasees in Venezuela erkannt, dass dessen kontinuierlicher Wasserverlust eine Folge von Waldrodungen zum Anlegen von Plantagen war.

Holz- und Wassermangel, aber auch die Gefahr von Überschwemmungen aufgrund ausgetrockneter Böden benannte er als Folge der menschlichen Eingriffe.
 
Die humboldtsche Erkenntnis der Wechselwirkungen in der Natur lässt sich schon damals weit über den Naturbegriff hinaus anwenden.

Die von den spanischen Kolonialherren angelegten Plantagen am Valenciasee sind Ausdruck der Ausbeutung der Natur, aber genauso verweisen sie auf systemische Ausbeutungsstrukturen, auf Armut auf der einen, grenzenlosen Reichtum auf der anderen Seite.

Die Ausbeutung von Ressourcen bedeutet bis heute Zerstörung und Wohlstand, Einkommen und Arbeitskampf, Essen und Artensterben, Fluch und Segen.

Einige der Künstler:innen der Ausstellung gehören zu den aktuell einflussreichsten Stimmen der Kunstwelt, darunter die Venedig-Biennale-Teilnehmer:innen Lara Almarcegui, Olaf Nicolai, Uriel Orlow,

Ursula Biemann, Gregor Schneider, Paulo Tavares, Daniel Otero Torres, Günther und Loredana Selichar sowie Hito Steyerl.

Werke dieser und weiterer Künstler:innen der Ausstellung befinden sich in den Sammlungen großer Museen, Institutionen und Privatpersonen.
 
Neben diesen hochkarätigen Künstler:innen ist eine jüngere Generation von Kunstschaffenden in der Ausstellung vertreten, die mit ihren Werken bereits international für Aufmerksamkeit sorgen konnte. 

Diana Lelonek, Anne Duk Hee Jordan, Nadia Kaabi-Linke oder die Künstlerpaare Böhler/Orendt und Abie Franklin/Daniel Hölzl sind hier zu nennen.
 
Namen wie Katharina Sauermann, Borek Brindák, Elza Gubanova, Anna Weberberger oder das AWOL Collective gelangten über den international ausgeschriebenen Open Call in die Ausstellung. Acht Werke wurden hier von der Jury aus über 300 Bewerbungen ausgewählt.
 
Eine besondere Tradition des Kunstfestivals Begehungen ist das Artist-in-Residence-Programm, das gemeinsam mit befreundeten Festivals und Institutionen in Europa umgesetzt wird.

Diese Institutionen, in diesem Jahr aus Finnland, Tschechien und Italien, erhalten eine "Wildcard", d.h. sie schlagen dem Kunstfestival Begehungen je eine Künstler:in für einen mehrwöchigen Residenzaufenthalt vor.

Mit Rikuo Ueda wird zudem ein Künstler von Weltrang ein ortspezifisches Werk schaffen. Der 75-jährige Japaner wird selbst eine seiner berühmten Wind-Installationen in das HKW-Gelände integrieren.
 
In der Ausstellung werden sich raumgreifende Installationen, Fotografien, Zeichnungen, Skulpturen sowie Video- und Soundkunstwerke befinden.

Gut ein Viertel der Kunstwerke wird ortsspezifisch eigens für das Festival erschaffen, darunter auch Arbeiten, die unter Beteiligung von Mitarbeiter:innen und Anwohner:innen des Heizkraftwerks Nord entstehen.