Zwei Jahrzehnte später wurden Top-Model und Erotik-Darstellerinnen zu Stars; in Italien gelang Cicciolina sogar der Sprung ins Parlament. Sie war Mitgründerin der Agentur "Diva Futura" - ihr Partner drehte Sexfilme mit verspielter Ästhetik.
Doch seine originelle Pornographie als frivolem Spaß scheiterte an Gewalt, Krankheiten und der Justiz, was Regisseurin Giulia Louise Steigerwalt redselig inszeniert.
(Kinostart: 26.6.) Sexindustrie als Sittenkomödie und Sozial-Melodram: Aufstieg und Niedergang der wichtigsten Erotikmodel-Agentur im Italien der 1990er Jahre erzählt Regisseurin Giulia Louise Steigerwalt in zwei radikal unterschiedlichen Teilen – auf anarchisch-frivolen Spaß folgt zähe, redselige Agonie.
Allem Anfang wohnt ein Zauber inne, sogar in der Porno-Branche. Das suggeriert „Diva Futura“ – mit einer Beerdigung.
Tinta, die Haus-Python in den Büroräumen der gleichnamigen Erotikmodel-Agentur, ist gestorben und wird von der Belegschaft ordentlich bestattet.
Agenturchef Riccardo Schicchi (Pietro Castellitto) vergießt sogar ein paar Tränen – und sorgt dann dafür, dass Fotos vom Begräbnis sofort an alle Klatschblätter geschickt werden. Schlagzeilen sind in seiner Branche alles.
Anfang der 1990er Jahre hat die Agentur, die Schicchi 1983 gemeinsam mit Ilona Staller gegründet hatte, den Sprung aus der Schmuddelecke ins Rampenlicht geschaft.
Die Ungarin Staller, besser bekannt als Cicciolina, hat sich mit der Radioshow „Radio Luna“, provokanten Pornofilmen und freizügigen TV-Auftritten einen Namen gemacht.
1987 zieht sie für den „Partito Radicale“ ins italienische Parlament ein, wo sie gegen Prüderie und für Öko-Themen streitet.
1991 heiratet sie den US-Starkünstler Jeff Koons. Die Ehe zerbricht bald; ein erbitterter Sorgerechtsstreit um ihr gemeinsames Kind zieht sich jahrelang hin.
Pasta-Essen beim Porno-Dreh
Derweil ist Schicchi glänzend im Geschäft, trotz exzentrischer Vorlieben – in einem Büroraum hält er Dutzende von Katzen und Kaninchen – und turbulenter Geschäftsführung.
Seine Sexfilme sind zwar hardcore, doch zugleich fantasievoll und kunterbunt ausgestattet.
Und auf liebenswerte Weise amateurhaft:
Wenn mittags die Pasta für das Filmteam fertig ist, werden dafür die Dreharbeiten unterbrochen.
„Ich will verblüffen, nicht demütigen“, sagt Schicchi; die menschenverachtenden Methoden mancher Porno-Produzenten sind ihm zuwider.
Lieber lässt er sein Personal als verführerische Stripperinnen in glamourösen „Diva Futura“-Nachtclubs auftreten.
Kunst+Film-Redaktion


lona Staller alias Cicciolina (Lidija Cordic) ist weit über Italien hinaus eine skandalumwitterter Erotiklegende, die sogar im Parlament saß. Foto: Busch Media Group
Riccardo Scicchi (Pietro Castellitto) hat die Model- und Erotik(film)agentur Diva Futura gegründet. Foto: Busch Media Group
Mit seiner Frau, dem Model Eva Henger (Tesa Litvan), schwebt Riccardo auf Wolke 7. Foto: Busch Media Group
Moana Pozzi (Denise Capezza) ist eine berühmte Pornodarstellerin; ihr Versuch, auch in der Politik erfolgreich zu sein, scheiterte. Foto: Busch Media Group



