Gesellschaft Freunde der Künste
Der Angeklagte ihr eigener Vater

Karla - Dem Unsagbaren eine Stimme geben - eine Zwölfjährige verklagt ihren Vater wegen Missbrauchs

Eine Reise in eine vergangene Zeit anderer Art bietet "Karla": Anfang der 1960er Jahre wurde in der Bundesrepublik sexueller Missbrauch oft unter den Teppich gekehrt.

Was eine Zwölfjährige nicht hinnahm: Sie zeigte ihren eigenen Vater an und brachte ihn vor Gericht. Ihr Spielfilmdebüt inszeniert Regisseurin Christina Tournatzés so einfühlsam wie taktvoll.

(Kinostart: 2.10.) Dem Unsagbaren eine Stimme geben – mit einer Stimmgabel: Anfang der 1960er Jahre verklagte eine Zwölfjährige ihren Vater wegen Missbrauchs.

Diesen realen Fall zeichnet Regisseurin Christina Tournatzés nach; mit sensibler Inszenierung und glaubhaften Charakteren trifft sie den richtigen Ton.

Karla (Elise Krieps) kennt das Gesetz:

Sie sei wegen des „Paragrafen 176 Strafgesetzbuch“ hier, erklärt die Zwölfjährige mit ernstem Blick, als sie eines Nachts auf der Polizeiwache mit einem Richter (Rainer Bock) spricht.

„Mit einer Freiheitsstrafe von bis zu zehn Jahren wird bestraft, wer sexuelle Handlungen an einem Kind unter 14 Jahren vornimmt“, zitiert sie:

So habe sie es in der Bibliothek gelesen. Nun möchte Karla Anzeige erstatten. Der Angeklagte: Karl Ebel, ihr eigener Vater.

Richter Friedrich Lamy ist zunächst überrascht über Karlas Argumentation, doch er übernimmt den ungewöhnlichen Fall.

Der beruht auf einer wahren Begebenheit aus dem persönlichen Umfeld der Autorin Yvonne Görlach, die das Drehbuch zum Film schrieb. Regie führte Christina Tournatzés.

Ihr Spielfilmdebüt erzählt in fragmentarischen Szenen und Zeitsprüngen, wie ein mutiges Mädchen Anfang der 1960er Jahre mit ihrer Missbrauchsklage allein den Weg vor Gericht wagte.

Die Klägerin und der Richter

Das größte Problem für Lamy ist: Karla will und kann nicht darüber sprechen, was ihr angetan wurde, schon gar nicht im Detail.

Doch der Richter weiß, dass es ohne ihre Aussage nahezu unmöglich wird, die Wahrheit zu beweisen. Um ihr die Angst zu nehmen, kommt er auf die Idee,

Karla eine Stimmgabel in die Hand zu geben. Jeder Schlag damit an die Tischkante füllt die schmerzlichen Lücken in ihren Aussagen.

Kunst+Film-Redaktion

Copyright Publishing Company Heilwagen GmbH
Angersbachstraße 12
34127 Kassel, Deutschland/ Germany
Tel. +49 – 561 – 80 99 3
Fax. +49 – 561 – 89 83 47

Ja, ich möchte Inhalte von Youtube angezeigt bekommen. Ich bin einverstanden, dass dadurch meine personenbezogenen Daten an den Betreiber des Portals, von dem der Inhalt stammt, weitergegeben werden, so dass dieser mein Verhalten analysieren kann. Weitere Informationen finden Sie in unserer  Datenschutzerklärung.

KARLA - Trailer German | Deutsch